Lemgo (nr). Ob jemand eine Antwort darauf findet, wie es ein Amateur-Ensemble schafft, innerhalb nur einer Woche gemeinsamer Proben, Organisation, Bühnenaufbau und komplexer Licht– und Tontechnik eine grandiose Konzertveranstaltung auf die Beine zu stellen? Wohl kaum. Vielleicht können das nicht nicht einmal die "Phoniker" oder ihr Leiter und Initiator Tobias Richter selbst beantworten. Aber sie haben es geschafft – mit Bravour! Letztendlich sind zwei dreistündige konzertante Galavorstellungen in der Lipperlandhalle über die fantastische Welt der Musicals bei ihrem Enthusiasmus und Engagement dabei herausgekommen und haben schlichtweg begeistert.
In der Hand hatte das Ensemble das Publikum von Anfang an, hat es einfach mitgerissen und nicht mehr losgelassen. Es war ein wunderbares Zusammenspiel von einem großartigen Orchester, tollen Sängern und ausdrucksstarken Tänzern. Dabei gab es nicht einmal nur die ganz großen Highlights aus den bekannten Musicals, wie "Erinnerung" aus "Cats" oder "Superstar" aus "Jesus Christ Superstar" oder die bekannten Disney Songs, wie "In Deiner Welt" aus "Aladdin" und "Zum ersten Mal" aus "Frozen". Die 120 Akteure auf und hinter der Bühne verstanden es, gerade die Musicals in Erinnerung zu rufen, die nicht unbedingt in jedermanns Gedächtnis sind. Da war das großartig gesungene Duell "Alles was du kannst" aus "Annie get your gun", emotional das "Was weißt Du?" aus "Next to normal" und das sanfte, aber starke "Dies ist die Stunde" aus "Jekyll and Hyde". Bejubelt wurde auch ein Arrangement aus "Zurück in die Zukunft" für Orchester. Es passte. Die Phoniker haben alle Facetten gespielt, gesungen und getanzt; Solopartie, Duett, Chor oder konzertant. Gefühlvoll, leidenschaftlich und lebendig. Eine Hommage an die Musik, die fantastische Welt der Musicals und sicherlich auch an das zehnjährige Bestehen der "Phoniker". Moderiert wurden die Abende auf eine ganz besondere Art und Weise. Eingebettet in eine kleine Geschichte, erlebten vier Schauspieler die Welt der Musicals auf ihre eigene Art. Eine schöne Art der Anmoderation, die ab und an ein paar Längen hatte, in sich allerdings schön stimmig war. Am Ende gab es verdiente Standing Ovations und weil man ohnehin bereits stand, fiel das Mittanzen zur Zugabe "Time Warp" aus "The Rocky Horror Show" nicht wirklich schwer.
