1. Verwandlung in abstrakte Zeichen

    Horst Antes zeigt in Oerlinghausen einige seiner bekannten "Kopffüßler"-Figuren

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    Oerlinghausen (kd). Seine "Kopffüßler" haben ihn berühmt gemacht. Horst Antes ist einer der profiliertesten deutschen Künstler der Gegenwart. Jetzt stellt er einige seiner Werke beim Kunstverein Oerlinghausen aus.

    "Votiv" hat Antes seine Auswahl betitelt. Im Mittelpunkt steht ein relativ kleiner Glaskasten im ansonsten leeren Raum der einstigen Synagoge. Der Betrachter entdeckt Federn, kleine Gegenstände sowie eine aus Goldblech geschnittene, sehr filigrane Figur. Sie ähnelt den bekannten "Kopffüßlern", im Vergleich zu den bekannten, recht mächtigen Figuren wirkt ihre geringe Größe jedoch verstörend. Ob die Figur einen Betrachter oder einen Wächter darstellt, ließ der künstlerische Leiter des Kunstvereins, Fred Schierenbeck, in seinen einführenden Worten offen. "Die Beantwortung dieser Fragen muss ich Ihnen selbst überlassen", sagte er. Wichtig sei jedoch die Perspektive. "Nähern Sie sich dem Objekt von seiner Breitseite her, nehmen Sie die beschriebenen Gegenstände wahr. Indem Sie aber um das Objekt herumgehen, ändert sich Ihre Wahrnehmung und im extremsten Fall, der reinen Frontalansicht, verwandeln sich die Gegenstände und im Besonderen die menschenähnliche Figur in ein abstraktes Zeichen, eine aufrechte Linie. Das auf ein Minimum reduzierte Zeichen für den Begriff ‚Mensch‘ lässt diesen unsichtbar werden." Es sei ein Missverständnis, die Werke von Antes als "Kunst der Kinder" abzutun oder als naive Kunst einzuordnen. "Schon ein Blick auf die formale Gestaltung der Bilder Antes zeigt wesentliche Unterschiede zu den genannten Kunstformen", stellte Schierenbeck fest. Farbsetzung und Formgebung folgten klassischen ästhetischen Merkmalen. Die Kompositionen seien bis ins Detail ausbalanciert und folgten ebenfalls den klassischen Harmonielehren. Schierenbecks Schlussfolgerung: "Hier ist jemand am Werk, der alle Mittel der Kunst kennt und gezielt einsetzen kann." Die "Kopffüßler" erscheinen dem Betrachter ernst, archaisch groß und von einer seltsamen Melancholie bestimmt. Der sie umgebende Raum drängt sie oft ein und wenn nicht, dann scheinen die Figuren einsam und verlassen, zeitlos in ihm zu existieren. Mit dem Titel "Votiv" habe Antes ein weiteres Rätsel aufgegeben. Votivgabe sind Opfergaben. Was der Künstler darunter versteht, hat er einmal selbst so ausgedrückt. "Votive sind Krücken, wie Kunstwerke Krücken sind, die, in die Luft geworfen – wenn sie zurückkommen – etwas anderes geworden sind, als der Werfer einmal in den Händen hatte." Im Garten der ehemaligen Synagoge sind mehrere Riesen-"Kopffüßler" ausgestellt. Die Betrachter können zwischen den Figuren hindurchgehen. "Hier treffen wir auf eine unerwartete Fülle, werden als Person sogar selbst Teil des Geschehens, treten ein in die Bildwelt, die Horst Antes geschaffen hat", sagte Schierenbeck. Horst Antes wird am 28. Oktober 80 Jahre alt. Halb so alt ist der Oerlinghauser Kunstverein. Fast 200 Künstler haben im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte ihre Werke in der Bergstadt gezeigt. Dies sei eine "eine unglaubliche Erfolgsgeschichte", konstatierte Schierenbeck. Ähnlich äußerte sich der Ehrenvorsitzende Peter Pantlen. Anfangs habe sich der Kunstverein gegen politische Widerstände durchsetzen müssen. Es sei aber nicht nur gelungen, das Synagogengebäude zu erhalten, sondern auch zur Vermittlung von zeitgenössischer Kunst beizutragen. "Ich glaube, dass sich in Oerlinghausen in Bezug auf Kunst etwas verändert hat", sagte er. "Der Kunstverein auch dazu beigetragen, das Ansehen der Stadt anzuheben."

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