1. Ein Ausblick für die Ewigkeit

    Ruheforst in Wendlinghausen bietet ganz neue Möglichkeiten der Bestattung

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    Dörentrup-Wendlinghausen (jn). Mit der Eröffnung des Ruheforstes Schloss Wendlinghausen wird für die Gemeinde Dörentrup und ganz Lippe an diesem Wochenende ein weiteres Kapitel alternativer Bestattungsformen aufgeschlagen, das dem Wunsch der Bürger Rechnung trägt. Immer weniger Menschen wollen nach ihrem Tod in einem klassischen Reihengrab auf den örtlichen Friedhöfen beerdigt werden. Und immer mehr Familien können sich, durch räumliche Trennung und andere Faktoren, nicht mehr adäquat um die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen kümmern. Diese Faktoren haben einen tiefgreifenden Wandel der Bestattungsformen ausgelöst, den jede Gemeinde im Kreis und in ganz Deutschland inzwischen zu spüren bekommen hat. Örtliche Friedhofsflächen werden umstrukturiert, es werden Grabstellen unter Bäumen oder unter neu-gesetzten Stelen geschaffen und die Nachfrage nach klassischen Gräbern sinkt. Dies waren auch die Gründe, warum die Vertreter der Gemeinde Dörentrup dem Anliegen von Joachim von Reden nach vielen Gesprächen schließlich aufgeschlossen gegenüberstanden und ihre behördliche Zustimmung zur Einrichtung des Ruheforstes in Wendlinghausen erteilten. Mit der feierlichen Eröffnung am Sonntag, 11. September, wird nun eine Idee Wirklichkeit, auf die viele gewartet haben: sich noch zu Lebzeiten einen Baum in einem ruhigen Waldstück auszusuchen und sich später hier beerdigen lassen zu können. Und die Grabpflege übernimmt die Natur mit ihrem Wechsel der Jahreszeiten, ganz ohne Zusatzkosten. Beim Trend der Wald- oder Baumbestattungen war in Lippe bisher der Friedwald in Kalletal, betrieben unter anderem vom Landesverband, allein auf weiter Flur. Mit dem Ruheforst Schloss Wendlinghausen kommt nun ein Mitbewerber dazu, der nicht nur für die Lipper interessant sein dürfte. Joachim von Reden, Wendlinghauser Schlossherr, ist Betreiber des Ruheforstes, Träger der Begräbnisse bleibt die Gemeinde Dörentrup. Das namensgebende Unternehmen "RuheForst", mit nunmehr 63 Flächen zur Waldbestattung in ganz Deutschland, war durch den guten Ruf seiner zahlreichen Veranstaltungen auf Joachim von Reden aufmerksam geworden. Der Blomensteiner Wald, der dazugehörige Weiher und der Ausblick auf Schloss Wendlinghausen bilden die Kulisse für Waldbestattungen im kleinen, persönlichen Rahmen, bei denen die Grabstellen um Bäume oder Findlinge - genannt "Biotope" - herum gruppiert werden. Grabsteine gibt es nicht, auf den ersten Blick offenbart sich der Ruheforst dem Spaziergänger als gewöhnlicher, ruhiger Wald. Zur Wahl stehen entweder eine Familien- oder Einzelgrabstätte, die ab 2.900 Euro zu haben ist, oder eine Gemeinschafts-Grabstelle, die 580 Euro kostet. Letztere umfasst einen von zwölf möglichen Plätzen rund um ein Biotop. Das Liegerecht wird bei allen Varianten für 99 Jahre garantiert. Das Gelände steht ganzjährig allen Spaziergängern und Ruhesuchenden offen, Andachts- und Bestattungsfeiern können vor Ort gänzlich individuell gestaltet werden, wobei ein christlicher Grundgedanke vorhanden ist. Joachim von Reden und Florian Dowe, Ruheforst-Ansprechpartner, betonen, dass durch das Gelände keine zusätzlichen Belastungen für die Dörentrup Anwohner entstehen werden. Wegweiser sollen die Anreisenden gezielt am Ortsrand entlang leiten. Und auch das Waldgelände wurde im ursprünglichen Zustand belassen. Für die behördlich-vorgeschriebenen Parkplätze wurden lediglich bereits vorhandene Waldwege geschottert oder durch Baumstämme begrenzt. Der zentrale Andachtsplatz mit dem einmaligen Blick auf Schloss, Begatal und Teutoburger Wald wurde mit einem hölzernen Kreuz und rustikalen Holz-Bänken ausgestattet, ansonsten wurde nichts am natürlichen Charakter des rund vier Hektar großen Waldstücks verändert. Die Grabstellen der Urnen können nach Wunsch mit einer Plakette am Baum oder Findling markiert werden, auch das diskret und an der Weg abgewandten Seite. Die Biotope selbst, 351 an der Zahl, sind durchnummeriert, so dass Angehörige die Gräber ihrer Verstorbenen finden können. Und wie sind die Rückmeldungen bisher? "Das große Interesse der Lipper berührt und bewegt uns", sagt Joachim von Reden und erzählt von Menschen, die sich bei einem Spaziergang in "ihren" Baum verliebt haben oder einem Kegelverein, der auch im Tod vereint bleiben möchte. Bis November sind für Interessierte Führungen geplant.

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