Kreis Lippe. Der Sommerurlaub hat den letzten Krimi gefordert. Die letzte Seite ist gelesen, der Buchrücken zugeklappt: der Mordfall ist aufgeklärt, der Täter gefunden. Der Verlag topp+möller aus Detmold legt nun zum 110. Verlagsjubiläum nach und hält ab sofort postsommerliches Lesefutter im Doppelpack bereit: mit "Lipper Blut" des Krimi-Urgesteins aller Lippischen Mordfälle, Uwe Voehl, und "Tod eines Weintrinkers" zweier Debütanten in Sachen Mord, Bettina Walden und Matthias Löwe, erhalten alle Krimi-Begeisterten auch nach dem Sommerurlaub kriminologischen Lesegenuss über mordlüsternde Geschichten aus Lippe und Westfalen.
In einer kleinen westfälischen Ortschaft irgendwo zwischen Warendorf, Lippstadt und Detmold gelegen, wird eine Leiche gefunden. Verdächtig. Zumal wenn die Leiche zwischen den Schweinehälften in einem Kühlhaus der Dorfmetzgerei hängt. In ihrem Debüt-Krimi 2Tod eines Weintrinkers" geht es gleich zu Beginn martialisch zu. Bettina Walden verführte ihren Koautor Matthias Löwe zu dieser Szene. Als Leserin und Autorin bevorzugt sie Krimis, die gleich auf den ersten Buchseiten eine Leiche vorweisen können. Sie mag es blutrünstig. Bettina Walden ist Ersttäterin, ihr Kollege hat hingegen bereits drei Bielefeld-Krimis auf dem Gewissen. Nun legen beide ihren ersten Ostwestfalen-Krimi vor. Das Duo kennen sich aus einem weniger blutigen Buchgenre: Gemeinsam haben sie ein populärwissenschaftliches Mathe-Buch aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt. Für ihre zweite Zusammenarbeit durfte es dann etwas mordlustiger zugehen: In besagtem Dörfchen, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein schien, findet die aus Bayern emigrierte Metzgerin Hilde Hauptmeier eine männliche Leiche in ihrem Kühlhaus. Der Tote ist der Außenseiter des Dorfes, allgemein bekannt als "der Weintrinker". Zum Missvergnügen aller Dorfbewohner ist bzw. war der Weinliebhaber auch noch Vegetarier und das in einem Ort, in dem aller anderen Leibspeise Bier und Fleisch ist. Der Dorfpolizist Werner Brakemeier (Namensparallelen zu ehemaligen realen Bürgermeistern sind Zufall) und auch die Kriminalpolizei aus Bielefeld unternehmen nach dem Abtransport der Leiche wenig, um den Fall aufzuklären. Das Interesse an einem Mordfall mit einem weintrinkenden, vegetarischen Außenseiter scheint sich in beschaulichen (Dorf)Grenzen zu halten. Nur Metzgerin Hilde aus Bayern, selbst die Exotin in der westfälischen Ortschaft, nimmt sich der Sache an und ermittelt auf eigene Faust: Freunde hatte der Tote im Dorf keine, vielmehr hatte beinahe jeder der Dorfbewohner ein Motiv dem Weintrinker nach dem Leben zu trachten. Aber warum schweigen alle so hartnäckig über den Mord? Für alle Anhänger der Lippe-Krimis von Uwe Voehl geht es nun in die zweite Runde. Die Fortsetzung seines Krimis "Mörderische Kurschatten" ließe drei Jahre auf sich warten. Nun hat Voehl mit "Lipper Blut" nachgeladen; in Bad Salzuflen gibt es wieder mehrere Morde aufzudecken. Involviert sind altbekannte Personen aus dem Hotel "Kurschlösschen" wie der Portier Franz Stummer, das Zimmermädchen "Klümchen" und der Hotelier Balthasar Held. In seinem Bad Salzufler Kurbad-Hotel gibt es zu seinem Erschrecken ein Todesopfer. Äußerst schlecht für den Ruf des alteingesessenen Hotels, zumal als Todesursache ein autoerotischer Unfall diagnostiziert wird. Aber ist es tatsächlich ein Unfall? Balthasar hegt seine berechtigten Zweifel. Der tote Gast war kein normaler Kurgast, sondern Geschäftsführer eines insolventen Modeimperiums aus Lippe. Im Zuge der Abwicklung des Unternehmens hat dieser zahlreiche Entlassungen zu verantworten. Feinde hat sich der Tote also ausreichend gemacht. Als auch noch eine zweite Leiche, die ehemalige Sekretärin des Unternehmers, im Hotel gefunden wird, ist es offensichtlich: Beide Todesfälle können weder Unfall noch Selbstmord gewesen sein.
