Schieder (la/LB). Am Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 11. September, öffnen in ganz Deutschland viele Denkmäler ihre Türen für interessierte Besucher. So auch die Papiermühle in Schieder, wo seit 1703 die Familie Plöger in acht Generationen zuerst handgeschöpftes Büttenpapier aus Hadern (Lumpen) und später bis 1989 Aktendeckel aus Altpapier mit Hilfe einer Rundsiebmaschine hergestellt hat. Wie auch heute noch im Museumsbetrieb zu sehen, wurden alle Geräte und Maschinen nur mit Hilfe der beiden Wasserräder betrieben. Im Trockengang werden die 22 Stationen der historischen Papierherstellung, früher auch die "Weiße Kunst" genannt, eindrücklich erklärt und zum Teil auch vorgeführt.
Unter dem diesjährigen Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten" erfahren die Kulturbegeisterten und Mühlenfreunde, wie das alte Handwerk des Papierschöpfens und die Herstellung von Wickelpapier für Aktendeckel über 300 Jahre die Papierversorgung über die Region hinaus sicherstellte. Dass früher die Mühlen die Vorreiter für technische Innovationen, wie die der Königswellenantriebe, Transmissionen, Papier- und Schneidemaschinen waren, kann man heute noch in der Papiermühle an den bestehenden historischen Maschinen sehr gut nachvollziehen. Als der Nürnberger Ratsherr Ulman Stromer am 24. Juni 1390 die Gleismühle als erste deutsche Hadernmühle in Betrieb nahm, konnte er nicht ahnen, welche gewaltige Entwicklung die Papiermacherkunst nehmen und wie Papier die Geschicke der Welt begleiten würde. Heute in 2016 und 626 Jahre später ist die deutsche Papierindustrie die Nr. 1 in Europa, die Nr. 4 weltweit und eine Gesellschaft ohne Papier nicht mehr denkbar. Begleitet wird das diesjährige Motto von der Gruppe der "Alt-Traktoren und Nutzfahrzeuge Fürstentum Lippe e.V.", die einige ihrer "Rollenden Denkmäler" aus den Scheunen holen und nach Schieder fahren. Traktoren- und Mühlenfreunde können dann am Tag des offenen Denkmals die ausgestellten Fahrzeuge, wie den legendären Lanz Bulldog, selbstfahrende Bandsägemaschine, Unimog und mehr an der historischen Mühlenstätte bewundern. Das diesjährige Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten" unterstreicht das Zusammenspiel von Vereinen, Initiativen, Eigentümer, Stadtverwaltung, Denkmalpflege, Restauratoren, Handwerker und Ehrenamtlichen, ohne das keine Projekte erhalten bleiben würden. Weiterhin ist der Tag des offenen Denkmals für die Besucher eine Gelegenheit, einmal im Jahr Neues über die Erfolge, aber auch die Sorgen und Nöte im Ringen um die Erhaltung der Denkmäler zu hören. Gesucht werden hier zum Beispiel ehrenamtliche Mühlenführer und Helfer, um auch in den nächsten Dekaden die Papiermühle erhalten und der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Geöffnet ist das Technische Kulturdenkmal Papiermühle am Tag des offenen Denkmals von 10 bis 17 Uhr. Gruppenführungen sind an diesem Tag nur nach Anmeldung möglich. Der Eintritt für diesen Tag ist frei. Doch Spenden für den Erhalt von Mühle und Traktoren sind immer willkommen. Kontakt: Heimatverein Schieder, Ulrich Opel, unter der Rufnummer (05282) 61 15 oder per E-Mail unter "hu.opel@t-online.de" Infos gibt es auch bei Daniela Wendt unter der Telefonnummer (05282) 601-75 oder per E-Mail unter "d.wendt@schieder-schwalenberg.de" sowie online unter "www.papiermuehle-ploeger.de"
