Detmold (hö). Einige lippische Bäcker haben sich vergangene Woche wieder der alljährlichen Brotprüfung durch die Bäcker- und Konditoren-Innung gestellt. Und das wie immer öffentlich während des Wochenmarkts in der Detmolder Innenstadt.
Jedes Innungs-Mitglied konnte bis zu sechs Brotsorten aus seinem Sortiment zur Prüfung einreichen. Nach den Standards des Instituts für die Qualitätssicherung von Backwaren (IQBack) e.V. prüfte Karl-Heinz Schmalz die eingereichten Brote unter anderem nach Form und Aussehen, Oberflächen- und Krusteneigenschaft sowie Geruch und Geschmack. Die letztgenannten Eigenschaften konnten interessierte Marktbesucher gleich selber beurteilen und dem Prüfer auf die "Brote" schauen. Sein fundiertes Wissen gab er auf Nachfrage gerne weiter und wies auf Unterschiede zwischen Broten vom Bäcker und industriell hergestellten Broten hin. "Brot ist nicht gleich Brot. Es gibt über 3.000 Brotspezialitäten in unserem Land", informierte der vereidigte Brotprüfer seine Zuhörer. Mit der Prüfung der Brote unterstützt die Innung zudem seine Mitglieder in der Kontrolle ihrer Produkte und Produktionsprozesse. Den anwesenden Bäckermeistern ging es nicht nur um die Prüfung ihrer Produkte. Vielmehr war es ihnen wichtig, ihre Kunden zu informieren. "Brot ist das meistgegessene Lebensmittel", begründet Bäckermeister Mickel Biere seine Teilnahme. Wer sich gut ernähren will, sollte wissen, woraus seine Grundlage für Frühstück, Abendbrot oder eine zünftige Brotzeit besteht. Mit seiner Bio-Bäckerei in Lemgo nimmt Bäckermeister Alfred Meffert genau diesen Gedanken auf. "Wir haben sogar eine eigene Mühle um die Produktionskette kontrollieren zu können", so der Bäckermeister. Das Handwerk des Bäckers wird meist in der Nacht ausgeübt. Daher haben die Bäckerbetriebe nicht nur mit Discountern zu kämpfen, sondern auch mit fehlenden Auszubildenden. Denn die Jugend heutzutage ist kaum gewillt, zu Discozeiten in die Backstube zu gehen. "Wir bieten einen krisensicheren, abwechslungsreichen und künstlerisch kreativen Beruf", bewirbt Werner Schnüll, Bäckermeister und Vorsitzender des Bäckerhandwerks Lemgo, seinen Beruf. Wer die Chance erkennt, erhalte eine fundierte und abwechslungsreiche Ausbildung von den Meistern. So wie zwei Lehrlinge aus den USA von Bäckermeister Alfred Meffert. Eigens für die Kunst des deutschen Bäckerhandwerks sind die beiden aus Amerika angereist. Auch für die Integration von Flüchtlingen machen sich die Innungsmitglieder stark. Wer sich für den Beruf entscheidet, erhält zusätzlich eine sprachliche Förderung. Und wenn die zukünftigen Bäcker ihr Wissen in ihren Heimatländern anwenden, können sie neue Märkte erobern. Wer einen guten Hauptschulabschluss und einen starken Willen zum Anpacken hat, ist bei den Bäckermeistern gern gesehen. Schon vor 2.000 Jahren teilte Jesus das Brot mit seinen Jüngern. Und so war und ist all die Jahrtausende das Brot Grundlage der Ernährung des Menschen. Mittlerweile schaffte das Brot es sogar in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Doch was macht ein gutes Brot aus? Das Geheimnis liegt in dem Sauerteig, den die Bäcker selbst herstellen und aus dem sie die vielfältigsten Variationen kreieren. Die Innungsbetriebe empfehlen für eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung Roggen- und Vollkornbrot. Auch Körnerbrot wie das Mehrkornbrot steht hoch im Kurs der Bäckermeister.
