Lemgo (nr). Die Geschichte von Flucht und Exil ist lang. Sie zieht sich durch sämtliche Jahrhunderte und endet nicht einmal mit dem Eintauchen in die Gegenwart. Schon immer mussten Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen und wurden zu Flüchtlingen in einem fremden Land. Unter ihnen viele Dichterinnen und Dichter, deren Exilgedichte Heinz-Josef Delissen am Dienstag, 6. September, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei vorträgt. Der Reinerlös wird der Flüchtlingshilfe Lemgo zukommen.
Es sind deutschsprachige Gedichte so bekannter Dichter, wie Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Mascha Kaléko oder auch zeitgenössischer Exilschriftsteller, die Heinz-Josef Delissen mit Musikuntermalung vortragen wird. "In meinem Lyrikprogramm ‚Exilgedichte – Gesänge der Verbannten’ geht es um eingängige Gedichte", erklärt der ehemalige Gymnasiallehrer und Schulrektor. "Es sind 30 ausgewählte Gedichte für Menschen wie Du und ich es sind. Dass, was schwer wiegt, ist der Blickwinkel aus dem Exil heraus." Und eben der beginnt literarisch bereits in der Bibel, streift antike Schriften ebenso, wie Lyrik des jungen Deutschlands und endet in der Gegenwartsliteratur von weniger bekannten Dichtern, wie Yaha Hassan. Es ist der Aspekt des Fremdseins, der Heinz-Josef Delissen sehr am Herzen liegt – und Lyrik natürlich. "Ich liebe Lyrik und Menschen, die Lyrik lieben", sagt er und freut sich auf den Abend in der Lemgoer Stadtbücherei, wenngleich das Thema der Gedichte seine Zuhörer angesichts ernüchternder, authentischer Eindrücke heraus wohl eher in eine nachdenkliche Stimmung bringen wird. Geplant hatte er, der mit der aktuellen Reihe bereits das 13. Lyrikprogramm zusammengestellt hat, es anderes; wollte sich eine Auszeit nehmen in seiner Winterheimat Teneriffa. Durch den Tod des Kölner Germanisten Walter Hinck stieß er mehrfach auf dessen Standardwerk "Gesang der Verbannten". Für Delissen wie ein Wink, ein Zeichen der Solidarität zu setzen in Zeiten, in denen Menschen zu vielen Millionen aus ihrer Heimat fliehen müssen. Und so stellt er seine Lyrikprogramme seit 10 Jahren nicht nur in den Wintermonaten in seiner zweiten Wahlheimat Teneriffa als Benefizveranstaltungen für Hirngeschädigte, Kinderheime oder Hospizvereine seinem Publikum vor. In Deutschland ist er bereits gerngesehener Gast im Oberbergischen und im schwäbischen Raum und immer kommt der Erlös seiner Programme guten Zwecken zugute. Dass er nach Lemgo kommt, ist dem Zufall und dem ehemaligen Leiter der Stadtbücherei, Hans-Ulrich Struck zu verdanken, der Delissen auf Teneriffa hörte und ihn einlud, mit seinem Programm in die Alte Hansestadt zu kommen. Hier wird der komplette Erlös des Abends der Flüchtlingshilfe Lemgo zugutekommen und die wird die Einnahmen nutzen, um die Sprachförderung auszubauen. "Denn das Erlernen unserer Sprache ist für geflüchtete Menschen der Schlüssel zur Integration", betont Dagmar Begemann, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Lemgo. Noch ein Bereich, den Heinz-Josef Delissen sehr gerne unterstützt – gibt er doch in seiner schwäbischen Zwischenheimat Mössingen Deutschunterricht für Geflüchtete. Der Eintritt für den Lyrikabend am 6. September um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei beträgt 10 Euro.
