Oerlinghausen (kd). 38 Jahre lang hat Dr. Johannes Stefan Müller in Oerlinghausen das Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen, die Heimvolkshochschule St. Hedwigs-Haus, geleitet. Nachdem er im März die Altersgrenze erreichte, haben ihm die Mitarbeiter jetzt einen Abschied von der Berufstätigkeit bereitet. Zum 1. September übernahm Gabriele Meymann-Christians die Nachfolge, zusätzlich zu ihrer Aufgabe als Verwaltungsleiterin.
Bei der Abschiedsfeier im neuen Domizil, der Villa Welschen, erinnerte die neue Chefin an die beeindruckende Entwicklung des Instituts, das Dr. Müller entscheidend geprägt hat. "Es begann mit einem einzigen Schnellhefter", sagte sie. Mehr gab es nicht, als Dr. Müller am 1. August 1978 das Haus übernahm. Im Laufe der Zeit ist die Einrichtung nicht nur stetig gewachsen, sondern gewann durch seine Bildungsarbeit europaweit Anerkennung. Weit mehr als 3.000 Menschen besuchen jedes Jahr die Seminare. Dem einstigen Schnellhefter folgten somit mehrere tausend Aktenordner. Gabriele Meymann-Christians lobte vor allem die Leidenschaft, mit der Dr. Müller die pädagogische Arbeit vorantrieb. So habe er die politischen Veränderungen rechtzeitig aufgegriffen und zahlreiche Projekte wie "Politische und soziale Bildung für Aussiedler" mit großem Erfolg ins Leben gerufen. Mit seinem diplomatischen Geschick und dank guter Kontakte zu Ministerien, zur Erzdiözese Paderborn und anderen Zuwendungsgebern konnte er stets die erforderlichen Finanzmittel für die Bildungsarbeit des Hauses einwerben. Mit der inhaltlichen Arbeit habe er sich hohes Ansehen erworben. Besuche von Bischöfen und hochrangigen Politikern seien Ausdruck für diese Anerkennung. Als herausragendes Ereignis nannte Gabriele Meymann-Christians den Besuch des damaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat Dr. Müller das Abitur erworben und in Bielefeld das Fach Soziologie studiert und mit der Promotion abgeschlossen. Er wird dem Institut auch weiterhin als ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender und Ratgeber zur Verfügung stehen. Gabriele Meymann-Christians (58) ist seit 25 Jahren für das St. Hedwigs-Haus als Verwaltungsleiterin tätig. Sie sieht ihre Aufgabe jetzt vor allem darin, dauerhaft mehr finanzielle Sicherheit für die Einrichtung zu erreichen. Denn das vorherrschende Prinzip der Förderung einzelner Projekte erschwere eine kontinuierliche Arbeit. Zu diesem Zweck stehen bereits Gespräche mit der Bundeszentrale für politische Bildung auf ihrem Terminplan. Inhaltlich strebt die neue Chefin keine Veränderungen an. "Ich werde alles dafür tun, um die Heimvolkshochschule weiterhin in ruhigen und sicheren Fahrwassern zu halten und hoffe dabei auf die volle Unterstützung meiner zehn Kolleginnen und Kollegen und meiner Familie", sagte sie. An neuen Aufgaben werde es dem Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen nicht mangeln. Im Hinblick auf die Bildungsarbeit für geflüchtete Menschen meinte Gabriele Meymann-Christian: "Unsere Stunde kommt noch."
