1. Als die Bürger mündig wurden

    Alte Hansestadt mit neuem Titel: "Reformationsstadt Europas"

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    Lemgo (nr). Es ist offiziell: Seit Dienstag darf sich die Alte Hansestadt Lemgo "Reformationsstadt Europas" nennen. Lemgo reiht sich dabei in die Riege der 62 Städte in 13 Ländern ein, denen von der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" dieser Titel verliehen wurde, darunter Straßburg, Wien, Tallinn und Zürich. Im Rahmen einer Sondersitzung durften Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Superintendent Andreas Lange die Urkunde von Dr. Mario Fischer entgegen nehmen.

    Für Lemgo als Reformationsstadt zu plädieren, war für die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa denkbar einfach, eröffnete Dr. Fischer. "Durch die Reformation nahmen die Bürger in ungekannter Weise Verantwortung für Religion, Bildung und Soziales. In Lemgo konnte die Reformation schon früh Fuß fassen, die 95 Thesen Luthers gegen den Ablass verbreiteten sich dank eines engen Netzwerkes dort innerhalb eines Winters." Der Reformationsgedanke habe immer das Ziel vor Augen gehabt, Menschen in die Mündigkeit zu führen. Für Bürgermeister Dr. Reiner Austermann war die Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln ausschlaggebend für die Bewerbung als Reformationsstadt. Die Reformation habe die Alte Hansestadt maßgeblich geprägt. Mit dem Erlangen einer eigenen Weltsicht könne man die Weltsicht anderer verstehen und respektieren und letztendlich in einem gestärkten Bewusstsein über die eigene Position ein besseres Miteinander erreichen. Umso mehr freue es ihn, dass Superintendent der Lippischen Landeskirche, Andreas Lange, den Stein mit der Bewerbung ins Rollen gebracht habe. "Dass, was von Luther und vielen anderen ausging, hat die Welt durchgerüttelt und verändert", erklärte Superintendent Andreas Lange. Die Reformation sei ein Teil der Geschichte dieser Stadt. Eine Geschichte, in der die Bürger vor 500 Jahren in der Messe, also im katholischen Gottesdienst anfingen, deutsche Kirchenlieder Martin Luthers zu singen, um zu zeigen, dass sie die Sache mit der Religion in die eigene Hand nehmen wollten. Heute sei die Reformation eine Weltbürgerin geworden. Auch die Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der Reformationsgeschichte im geschichtlichen Kontext gehöre zur Jubiläumsfeier, so Dr. Fischer. "Nach zahlreichen Kriegen in Europa sind viele der Ressentiments überwunden. Heute können wir das Reformationsjubiläum erstmals in einem Europa des Friedens begehen." Schwierig sei es mitunter, sich die europäische Dimension der Reformation bewusst zu machen. Die Auszeichnung von Städten, die in besonderer Weise zum Dreh- und Angelpunkt vielschichtiger Reformationsprozesse wurden, sei eines der Projekte, die so ein Bewusstsein erwecken wollen. In Lemgo hatte die Reformation laut Superintendent Andreas Lange, als Singbewegung begonnen. Diesem Gedanken geschuldet, begleiteten Organist Friedemann Engelbert und Tenor Florian Feth mit Chorälen Martin Luthers die Feierstunde im Rathaus.

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