Lemgo (pro). Die Sommerferien sind die Zeit des Jahres, in der Kinder und Jugendliche sich vom Stress des vergangenen Schuljahres erholen können: endlich keine Klassenarbeiten und Vokabeltests mehr. Während sich viele Schüler darüber freuen, eine Weile nicht lernen zu müssen, sind andere selbst dann noch wissensdurstig. So auch die sieben jungen Teilnehmer des Projekts "Kaempfer goes App", die unter Anleitung von Historikerin Laureen Filla Lemgoer Lokalgeschichte ein Stück zugänglicher gemacht haben: "Auf den Spuren Engelbert Kaempfers" heißt der neue virtuelle Stadtrundgang, der 300 Jahre nach Kaempfers Tod inklusive vereinfachtem Programmieren von den Zehn- bis Vierzehnjährigen selbst gestaltet wurde.
"Das war gar nicht so schwierig", sagt Maja. "Wir haben uns am Anfang ein Video angesehen, in dem gezeigt wurde wie man programmiert. Und dann haben wir direkt losgelegt." Zu einem schnelleren Start verhalf den Jungforschern die Plattform "Bipacours": Als Basisanwendung zur Unterstützung schulischen Lernens und außerschulischer Lernorte in NRW ermöglicht die App die Erstellung interaktiver Karten mit Stationen, an denen Aufgaben gemeistert werden können. Weniger Ortskundige navigieren innerhalb der App per GPS zu markanten Stellen. Auch die Entwicklung innerhalb "Kaempfer goes App" profitierte vom Baukastenprinzip, mit dem Texte, Quizfragen und sogar Videos zusammengestellt und an festen Orten verankert werden. Den Großteil dieser Arbeit haben die Kinder im Stadtarchiv erledigt, welches das Projekt im Rahmen des "Kulturrucksacks" des Landes Nordrhein-Westfalen ausgerichtet hat. Zweite Projektleitung war deshalb Archivar Marcel Oeben. In seinen langen Regalreihen haben die Teilnehmer sich die meisten Informationen zusammengesucht. "Das hat mir viel Spaß gemacht", ergänzt Maja. Abwechselnd arbeiteten Jungen und Mädchen in den Teams Recherche und Programmieren insgesamt über fünf Tage hinweg jeweils drei Stunden lang. Neben dem Stadtarchiv spielte das Hexenbürgermeisterhaus als Lernort im Projekt eine Rolle, gab es doch auch dort wertvolle Hintergründe zu erfahren. Die gemeinschaftliche Erfahrung aus der Einrichtung des Stadtrundgangs existiert auch in der Anwendung, denn hier können Teams gegeneinander antreten und geschichtliche Treffsicherheit anhand von gesammelten Punkten unter Beweis stellen, die es für richtige Antworten gibt. Aus dem Projekt nehmen die jungen Schüler viel Wissen zu Lemgos berühmtem Sohn Engelbert Kaempfer mit, wie sie am PC des Archivs beweisen. "Die Mädchen haben einen ganz fiesen Trick eingebaut!", lachen Linus, Jan-Phillip und Jan Lucas. In den kommenden Tagen wollen sie den fertigen Rundgang mit dem Smartphone weiter testen. Wer ebenfalls herausfinden will, wo hier der Teufel im Detail liegt, welche Lemgoer Orte in Kaempfers Leben eine Rolle spielten oder wie viele Kinder der Arzt und Forscher hatte, kann sich die App "Biparcours" im App- oder Google-Play-Store herunterladen und über die Suchfunktion den Rundgang entdecken.
