Rischenau (afk). Die integrative Kraft des Sportes ist unbestritten. Bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten als Neubürger in den Städten und Gemeinden aufzunehmen spielen Vereine, vor allem Sportvereine, eine wichtige Rolle. Auch der TSV Rischenau hat diese Herausforderung angenommen und erhielt als Unterstützung für seine Ausgaben für die Integration von vier jungen Männern aus Eritrea, dem Irak und aus Syrien aus Mitteln der Egidius Braun-Stiftung des Deutschen Fußballbundes (DFB) eine Spende, die der Vorsitzende des Fußballkreises Lippe, Gottfried Dennebier, jetzt im Rahmen der Sportwerbewoche dem Vorsitzenden Detlef Töberich überreichte.
Fußball wird überall auf der Welt nach gleichen Regeln gespielt und bietet so eine gute Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und –pflege. "1:0 für ein Willkommen" heißt die Aktion des DFB mit der die Vereine bei ihren Bemühungen unterstützt werden, jungen Menschen über den Sport die Eingliederung zu vereinfachen. "Es fallen Mehrkosten für die Ausrüstung mit Fußballschuhen und Trainingskleidung bis zu Fahrkosten für die Fahrten zwischen ihren Wohnungen und dem Trainingsgelände an", weiß Gottfried Dennebier, der auch darauf verweist, dass die Sportler wie alle anderen, selbst wenn sie keine Mitgliedsbeitrag zahlen müssen, dennoch bei ihren sportlichen Aktivitäten versichert sind. Als einer der ersten Vereine im Kreis Lippe hatte TSV Elbrinxen in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe bereits im Herbst 2015 eine Unterstützung erhalten. Dessen Vorsitzender Wolfgang Siefert sieht die Aufnahme in einen Sportverein mit seinem breiten Sportangebot für alle Flüchtlinge jeden Alters als Verpflichtung an. "Das steigert die Lebensqualität bei den bei uns Schutzsuchenden", weiß er. Und auch der Vorsitzende des TuS Lügde, Karlo Hasse, hatte seine Mitglieder im Rahmen der Jahreshauptversammlung Lügdes aufgefordert, den Neubürgern über den Sport die Eingliederung zu erleichtern. Inzwischen haben sich weitere Vereine (u.a. Sabbenhausen) erfolgreich um Mittel aus der DFB-Stiftung bemüht. "Es könnten aber durchaus noch mehr Vereine sein", sagt Gottfried Dennebier. Während für die jungen Männer in Rischenau das gemeinsame Training inzwischen schon zum festen Wochenplan gehört mahlen die Mühlen der Bürokratie noch etwas langsamer. Um eine Spielberechtigung zu erwirken muss der Verein einen Antrag beim Landesverband stellen, der dann die Daten vom Einwohnermeldeamt abfragt. Es wird prüft, ob die betreffende Person bereits irgendwo in einer Mannschaft gekickt hat. "Das Verfahren kann sich bei ausländischen Spielern über einen Monat hinziehen bis dann ein erforderlicher Spielerpass ausgestellt ist und der Spieler auch aktiv an Punktspielen teilnehmen darf", weiß Dennebier aus Erfahrung. Für den 31-jährigen Victor ist dieses Verfahren bereits erledigt – er spielt in der zweiten Mannschaft des TSV Rischenau in der Kreisliga B. Achmed, Mohammed und Hussam müssen sich noch etwas in Geduld üben. "Aber wir planen auch schon mit diesen Drei. Sie werden hoffentlich in Kürze zur Verfügung stehen", sagt Detlef Töberich. Alle Vier können sich inzwischen sehr gut in Deutsch mit ihren Sportkameraden verständigen –"wenn mal ein Fehlpass gespielt wird, liegt das bestimmt nicht an sprachlichen Problemen", lacht der TSV-Vorsitzende. Dennebier erinnerte daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg der Sport, ganz speziell der Fußball, für viele Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten im Westen zu einem Standbein wurde. Traditionsvereine aus dem Ruhrgebiet nahmen viele Spieler unter anderem aus Polen auf und sicherten damit auch ihre Existenz. "Auch heute haben die Vereine wieder Personalsorgen. Aber an diesem historischen Beispiel lässt sich gut erkennen wie sinn voll es ist, sich den Flüchtlingen zu öffnen", sagt der lippischen Fußball-Kreisvorsitzende.
