1. Shakespeare in ungewohnter Form

    Komödien-Klassiker "Ein Sommernachtstraum"

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    Bad Pyrmont (afk). Modern, eigenwillig und ungewöhnlich kommt er daher, der Komödien-Klassiker "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare in der Version der Pyrmonter Theater Companie. Die hat sich dieses schon zu Zeiten des Dichters beliebte Stück zu ihrem 20-jährigen Bestehen gewünscht und präsentiert die von Carl Herbert Braun inszenierte Aufführung open air an sieben Abenden im Pyrmonter Schlosshof. Zwei Termine stehen noch aus: Am Donnerstag, 25. August, und Samstag, 3. September, jeweils um 19.30 Uhr erleben die Zuschauer auf vier Erzählebenen das Geschehen einer Sommernacht.

    Ganz in Weiß ist das futuristisch anmutende Bühnenbild des Hamburgers Ulbo gehalten, in dem sich die 16 Schauspieler zwar in der ins Deutsche überarbeiteten Sprache in gleich vier Geschichtenebenen in den beiden gegensätzlichen Welten der Menschen und Elfen austoben. Und das in des Wortes positiver Bedeutung, denn was Regisseur Braun seinen Akteuren neben textlichen Herausforderungen zum Teil auch an körperlichem Einsatz abfordert, ist schon sehr bemerkenswert. Herausragend dabei der Puck (Christiane Schoon), die, ständig in Bewegung, die Bühne in all ihren Ausmaßen in Breite und Höhe beturnt, frivol lasziv, ja regelrecht ordinär ihre Aufgabe wahrnimmt und in fast jeder Szene präsent ist. Aber auch die Dauerverliebten Lysander (Christopher Reinhardt) und Demetrius (Marc-Andree Bartelt) verleihen mit Sprints und Sprüngen aus allen möglichen Höhen dem Stück jede Menge Tempo und action. Das sterile Bühnenbild, bei dem Plastikrohre zu einem Wald oder Stäbe zu Zäunen mutieren, gibt den Zuschauern die Möglichkeit, ihre eigenen Fantasien zu entwickeln. In den ersten 20 Minuten lässt Braun die Grundgeschichte um den König von Athen Theseus (Andreas Torwesten) und die Königin der Amazonen Hippolyta (Ulrike Volkers) entwickeln. Das ist dann schon Shakespeare "hardcore" für viele Zuschauer. Aber dann entwickelt sich eine vielschichtige, mit viel Gespür für Situations- und Sprachkomik gewürzte Story, die die Grenzen zwischen klassischer Geschichte und Gegenwart verschwimmen lässt und die Welt des Hofes und der Macht einerseits und der Zauberwesen darstellt. Dazu trägt auch das "Theater im Theater" bei: Eine fünfköpfige einfältige Komikertruppe aus Handwerkern, die die Unterschicht repräsentieren, beschließt, zur bevorstehenden Heirat des Herzogs eine Aufführung unter der Leitung von Zimmermann Sequenz (Jörg Schade) zu präsentieren. Famose Einfälle, jede Menge Komik und Slapstick- Einlagen fordern die Lachsalven regelrecht heraus. Thilo Prothmann als verkanntes Schauspielergenie Weber Zettel zieht hier viele Register seines großen Talents, vor allem als er mit einem übergestülpten dimensionalen Eselskopf der Elfenkönigin Titania (Ulrike Volkers) den Kopf verdreht. Und das alles vor dem Hintergrund des höfischen Lebens und der Zauberwelt, in der die drei bedrohlichen, nachtaktiven Elfen (Dorit Meyer-Gastell, Judith Guntermann und Isabella Rapp) als skurrile Mischwesen halb Tier, halb Mensch, doppelgesichtig für Menschen unsichtbar und ebenfalls schrecklich schön ihre abgedrehten Lieder singen. Und dann die Liebenden selbst! Ausgangspunkt ist die bevorstehende Hochzeit von Theseus und Hippolyta. Hermia (Lucia Schulz) ist in Lysander (Christopher Reinhardt) und Helena (Christia Wiesemann) in Demetrius (Marc-Andree Bartelt) verliebt, der aber auch in Hermia verliebt ist, deren Vater Egeus (Jörg Schade) die Verbindung aber ablehnt. Es bleibt die nächtliche Flucht in den Wald und der Sommernachtstraum beginnt. Abgerundet wird diese absolut sehenswerte Produktion der Pyrmonter Theater Companie durch fantasievolle Kostüme, die von zwei Studentinnen der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Hannover entwickelt und geschneidert wurden. Kurzum – eine bemerkenswerte Version eines Komödien-Klassikers, die zu erleben sich allemal lohnt!

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