Detmold. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist seit den Übergriffen in der Silvesternacht und der Diskussion um die Reform des Sexualstrafrechts ein viel diskutiertes Thema. Dabei ging es vor allem um sexuelle Übergriffe, die im öffentlichen Raum und durch Fremde stattfinden. In der Regel erleben Frauen sexuelle Gewalt aber durch bekannte Personen und an vertrauten Orten. Eine Plakataktion in Detmold, Lemgo und Lage soll das Thema jetzt verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit rücken und mit Vorurteilen aufräumen.
Organisiert wurde die Aktion von den Gleichstellungsstellen der Stadt Detmold und des Kreises Lippe in Zusammenarbeit mit dem Kooperationsgremium für Lippe gegen häusliche Gewalt. "Über sexualisierte Gewalt bestehen hartnäckige Mythen und Vorurteile. Diese weitverbreiteten Vorstellungen haben mit der Realität wenig zu tun, im Gegenteil: Sie verharmlosen das Ausmaß sexueller Gewalt", erklärt Regina Homeyer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Detmold. "Eine Frau im kurzen Kleid ist nicht selbst schuld. Fakt ist: Bei sexueller Gewalt spielen Alter, Aussehen, Verhalten und Bekleidung keine Rolle. Das Ziel der Plakataktion ist, Vorurteile, die sexuelle Gewalt herunterspielen, vor Augen zu führen und ihnen Tatsachen entgegen zu stellen", so Elke Wachtmann, Opferschutzbeauftragte der lippischen Polizei. Zu diesen Fakten zählt auch: Frauen erfahren dort am häufigsten körperliche und sexuelle Gewalt, wo sie sich am sichersten fühlen – zu Hause. Vorherrschende Vorstellungen wie "Du wolltest es doch auch" verharmlosen dabei nicht nur die Tat, sondern erschweren den Frauen außerdem den Zugang zu Hilfe und Unterstützung. Es sind zudem Sätze, die das Täterverhalten rechtfertigen und die auch dazu beitragen, dass Opfer von sexueller Gewalt schweigen. Repräsentative Untersuchungen der letzten Jahre belegen: 40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/ oder sexuelle Gewalt erlebt. 47 Prozent der von sexueller Gewalt Betroffenen sprechen mit niemanden über das Erlebte. "Das glaubt mir sowieso keiner – weil viele Frauen dies denken und schweigen, ist auch dies eine weitere weitverbreitete Vorstellung, die die Täter schützt", erklärt Regina Homeyer. Die Kampagne, die vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, zielt auch darauf Hilfemöglichkeiten aufzuzeigen. Die Plakate machen auch auf die Beratungsstelle "Alraune" aufmerksam, bei der Frauen kompetente Ansprechpartnerinnen finden, die zuhören und weiterhelfen. Sie sollen zudem Mut machen, das tabuisierte Thema in der Öffentlichkeit zur Sprache zu bringen. Zu diesem Zweck organisieren die Gleichstellungsstellen der Stadt Detmold und des Kreises Lippe in Zusammenarbeit mit dem Kooperationsgremium für Lippe gegen häusliche Gewalt außerdem am Freitag, 19. August, von 13 bis 16 Uhr einen Infostand auf dem Detmolder Marktplatz.
