Lemgo (nr). Kennen Sie die Sprache der Schützen? Da gibt es den Thron, das Locken, das Bataillon und etliche andere Begriffe, durch die man als Nicht-Schütze nur schwer durchblickt. Da sich das Schützenfest mit Riesenschritten nähert, hat Lippe aktuell mal bei der Lemgoer Schützengesellschaft nachgefragt und mit Oberst Fritz Köster, Major Stefan Sasse und Oberleutnant Manfred Krug dem Schützenleben von A bis Z mal auf den Zahn gefühlt.
A wie Adjutant: (lat. adiutare = unterstützen, helfen) A wie Antreten: für die Lemgoer Schützengesellschaft immens wichtig. Jeder Schütze hat geordnet und diszipliniert in Reih und Glied zu stehen. Die Tradition verlangt, dass die Außenwirkung untadelig bleibt. "Vor allem haben die Lemgoer Bürger ihre Schützen stets sehr gut im Blick", sagt Oberst Fritz Köster. B wie Birke: Nur in Lemgo werden die Straßen, einer alten Tradition nach, zum Schützenfest mit Birken geschmückt. Umgeben von Wald sollte ein Stück Wald zum Schmuck in die Stadt getragen werden. B wie Bataillon: besteht in Lemgo aus vier Kompanien. Bier wie Bier: Es ist nur ein Gerücht, dass Bier während des Schützenfestes feste Nahrung ersetzt. Ganz im Gegenteil – Freunde und Gäste der Schützen genießen gleichermaßen leckeres Essen beim Fest. C wie Celle: eine der befreundeten Schützengesellschaften. D wie Degen: Hauptsächlich war er eine militärische Stich- und Hiebwaffe und Rangwaffe der Offiziere. Heute braucht man, um als Offizier einen Degen tragen zu dürfen, eine Waffenerlaubnis, die alle vier Jahre aufgefrischt werden muss. E wie exerzieren: Darauf wird bei den Lemgoer Schützen viel Wert gelegt. Unter exerzieren versteht man allgemein hin die Ausbildung an der Waffe und der Bewegung geschlossener Abteilungen. F wie Festumzug: etwas ganz Besonderes in Lemgo, denn welche Schützengesellschaft fährt zum Festumzug mit fünf prächtigen Kutschen vor? Als eine der drei größten Schützengesellschaften in NRW will sie sich auch weit über die Stadtgrenzen hinaus präsentieren. G wie Gewehr: Die Lemgoer Schützen tragen traditionell ein Holzgewehr mit Blumenschmuck und den Kompaniefarben (1. Kompanie: weiss; 2. Kompanie: rot; 3. Kompanie: gelb; 4. Kompanie: blau). H wie Hofstaat: besteht aus dem jeweiligen Königspaar, begleitet von vier unverheirateten Schützen und alle zwei Jahre wechselnden Throndamen. Schon die ein oder andere Ehe soll – wie man sich erzählt – auf dem Thron gestiftet worden sein. I wie Ingrid: die zur Zeit amtierende Königin Ingrid Bobenhausen. J wie Jungschütze: jeder, der zum ersten Mal mit marschiert, sei er nun 14 oder 66 Jahre alt. K wie Königspaar: wird alle zwei Jahre neu gesucht, gefunden und gefeiert. K wie Kompanie: Die Kompanien entsprechen dem jeweiligen Rott – heißt, den ehemaligen vier Sektoren der Stadt, denen die Bürgerwehr zugeordnet war. L wie Locken: soll die Bevölkerung wecken, am Schützenfest teilzunehmen. L wie Lemgo: Da die Lemgoer Schützengesellschaft auf Betreiben der Stadt als Bürgerwehr gegründet wurde, ist die Gemeinschaft der Schützen untrennbar mit der Stadt und ihrer Geschichte verwoben. So ist auch der Bürgermeister automatisch erstes stimmberechtigtes Schützenmitglied. M wie Major: der stellvertretende Vorsitzende. N wie Notenhefte: ganz wichtig, denn welcher Schütze kennt schon alle alten Schützenlieder, die auf den Märschen gesungen werden? O wie Offiziere: bilden die Bataillon-Führung (Oberst, Major, Rechnungsführer und Schriftführer). O wie Oberst: Oberst Fritz Köster. Erster Vorsitzender der Lemgoer Schützengesellschaft. P wie Pauke: beim Schlag, Bein links. Unabdingbar beim Marschieren. Q wie Quartier: die vier Sektoren, in die Lemgo aufgeteilt war. Q wie Queen Elisabeth: einer der Stühle, auf dem Queen Elisabeth bei ihrem Lemgo-Besuch Platz genommen hatte, um sich ins goldene Buch der Stadt einzutragen, steht heute im Schützenhaus. R wie Rott (Rotte): hier ein Teil der Lemgoer Bürgerwehr. Jeder der vier Lemgoer Stadtbezirke war ein Rott. Es war selbstbestimmt und wurde vom Rottmeister angeführt. Aufgabe des Rottes war es, die Bevölkerung in Kriegszeiten an den Wall zu führen. R wie Requirieren: Die vier Rotte hatten sich auch selbst zu versorgen. Als Bürgerwehr war es schon immer Tradition, dass die Bevölkerung der verschiedenen Rotts ihre Bürgerwehr verpflegte. Diese Tradition des verpflegt Werdens wird beim Requirieren von Spenden fortgeführt. S wie Schabau: traditionell nur in Lemgo gereichtes Getränk zur Stunde der Frau (Wacholder und Sissi oder Bluna. Schlicht Korn mit Orangenlimonade). S wie schießen: Bei den Lemgoer Schützen spielt es eher eine untergeordnete Rolle. Von 1.300 Schützen sind nur etwa 30 Sportschützen. S wie Stunde der Frau: gibt es nur in der Lemgoer Schützengesellschaft. Immer am letzten Tag des Schützenfestes von 9 bis 11 Uhr in der Rottbude der 1. Kompanie feiern die Frauen, während im Schützenhaus die Schießscheiben ausgewertet und der neue König ermittelt wird. S wie Schützenfest: bedarf keiner Erklärung. Einfach mitfeiern. T wie Tradition: wird in der Lemgoer Schützengesellschaft ganz groß geschrieben. Bereits 1575 gegründet, fühlen sich die Schützen den Traditionen verpflichtet. Thron: Die Schützengesellschaft hat neben den Kompanien einen Thron, bestehend aus den Majestäten und dem Gefolge aus den Thronoffizieren und Throndamen. Geführt wird der Thron von den Königsoffizieren. V wie Verpflegung: immens wichtig in flüssiger und fester Form – gleichermaßen für Schützen und für Gäste. W wie Wacholder: In Lemgo geht da nur der Wippermannsche Wacholder. X wie Stunde x: das Antreten vor dem Zapfenstreich um 17.30 Uhr auf dem Marktplatz. Y wie Yorkshire Marsch: wird traditionell beim Zapfenstreich gespielt. Z wie Zapfenstreich: ist ganz offiziell eine feierliche, am Abend abgehaltene Militärzeremonie mit Streitkräften und Militärmusik. In Deutschland ist sie das höchste Zeremoniell der Bundeswehr. In Lemgo bringen die Schützen mit den einzelnen Kompanien den Marktplatz an die Grenzen der Belastbarkeit – und bilden ein Bild, das man gesehen haben muss.
