Kreis Lippe/Lemgo (pro). In Lemgo, Dörentrup und Detmold bietet der Bund für Umwelt und Naturschutz ("Bund") Lippe in Kooperation mit einigen Apotheken Tests an: auf Rückstände von Glyphosat – mengenmäßig Inhaltsstoff Nummer Eins von Unkrautbekämpfungsmitteln.
Der Kreis Lippe ist bekannt für seine landwirtschaftliche Prägung, laut der Haupterhebung 2010, die online in der Regionaldatenbank Deutschland zur Verfügung steht, werden rund 53.500 Hektar bewirtschaftet, davon 44.000 durch Ackerbau. Die ökologische Landbestellung spielt mit 2.136 Hektar zwar eine Rolle, doch konventionelle Methoden dominieren den Ackerbau. Hierbei kommt auch auf lippischen Feldern Glyphosat zum Einsatz, das gegenwärtig auf vielen Kanälen präsent ist. Gerade hat die EU-Kommission die Zulassung um weitere 18 Monate verlängert, anstatt wie anfangs geplant um 15 Jahre – Grund für den verkürzten Zeitraum waren unter anderem zahlreiche Bürgerproteste und Petitionen, aber auch die Tatsache, dass sich über Wochen hinweg keine Mehrheit für die Verlängerung innerhalb der Union fand. Es ist bereits tausendfach gelungen, Glyphosat im Urin normaler Verbraucher weltweit nachzuweisen. Auch Personen, die sich weitestgehend ökologisch ernähren, sind betroffen – wie Agrarwissenschaftler und Landwirt Dr. Peter Hamel. "Auch bei ihm wurde eine Restmenge festgestellt", berichtet Willi Hennebrüder von der "Bund"-Ortsgruppe Lemgo über den schwäbischen Gastredner, der im vergangenen Jahr auf Einladung des Bund nach Lippe gekommen war. Es entstand die Fragestellung "Wie viele von uns normalen Bürgern hier sind belastet? Und in welchem Maße?" Schließlich ist auch Sekundärbelastung, wie durch Fleischkonsum von Tieren, die mit chemisch behandeltem Futter ernährt wurden, nicht auszuschließen. Die Antwort kann ein schlichter Urintest liefern – der allerdings von einem qualifizierten Fachlabor durchgeführt werden muss. Der "Bund" Lemgo fasste ein Ziel ins Auge: allen Lemgoern und Lippern zu fairen Konditionen eine Testmöglichkeit zugänglich zu machen. Dafür konnten schließlich lokale Apotheken gewonnen werden, die seit Juni 2016 zum Selbstkostenpreis von 65 Euro den Test anbieten. Ausgewertet werden die Proben vom Medizinischen Labor Bremen (MLHB), was unter anderem mit dem Umweltbundesamt kooperiert und eine hohe Expertise vorweisen kann. Zum Start des Projektes wurde sogar der Westdeutsche Rundfunk aufmerksam und schickte ein Team aus Bielefeld nach Lemgo. "Es war überwältigend. Am ersten Tag danach standen hier 30, 40 Leute vor dem Tresen, weil sie den Fernsehbeitrag gesehen hatten und so auf das Thema aufmerksam geworden sind", berichtet Ferdinand Aßmuth, Apotheker in Lemgo. "Jetzt sind es ein paar Nachfragen pro Woche." Durch das gemeinsame Hauptanliegen, die Bürger auf Glyphosat und seine Nutzung aufmerksam zu machen, sei es gelungen die Kooperation auch über Lemgo auszudehnen, so Hennebrüder. Neben der Leopold-Apotheke und der Aesculapapotheke in Lemgo, ist auch die Stiftapotheke in Dörentrup und die Apotheke "An der Post" in Detmold Ansprechpartner für den Test.
