1. Altlasten im Boden bereiten Kopfzerbrechen

    Ehemalige chemische Reinigung hat Boden kontaminiert

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    Lemgo (nr). Wohl jahrzehntelang hat die chemische Reinigung im Bereich Neue Torstraße leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) fahrlässig in alte, längst stillgelegte Rohrleitungen abgeführt. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände und dem inneren Wallgraben, in unmittelbarer Umgebung, hat sich das giftige Gemisch angesammelt. Eine Gesundheitsgefährdung für die Anlieger besteht nach eingehenden Untersuchungen jedoch nicht. Um weitere Austragungen und damit eine anhaltende Grundwasserbelastung zu vermeiden, muss eine Sanierung in naher Zukunft erfolgen. Der Rat hat noch vor der Sommerpause die Verwaltung ermächtigt, einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) über die Durchführung ergänzender Sanierungsuntersuchungen und die Erstellung eines Gesamtsanierungsplanes abzuschließen.

    In den vergangenen Jahren sind vom Kreis Lippe und der Stadt Lemgo bereits verschiedene Untersuchungen zur Einschätzung des Gefährdungspotentials auf dem ehemaligen Grundstück Neue Torstraße 37 und im unmittelbaren Umfeld vorgenommen worden. Ergebnis der Untersuchungen: Auf einer Länge von 120 Metern und einer Breite von rund 10 Metern sind Boden und auch Grundwasser durch diese chemischen Stoffe verunreinigt worden. Insgesamt wird von ungefähr 2.200 Kilogramm Masse an leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen im Boden ausgegangen. Die Kontaminierung betrifft sowohl das ehemalige Betriebsgrundstück der Reinigung, die städtische Seite des inneren Wallgrabens, als auch private Parzellen am Wall. Im Bereich der Neuen Torstraße seien die chlorierten Kohlenwasserstoffe in tieferen Bodenschichten und diverse Untersuchungen der betroffenen Grundstücke hätten keinerlei Gefährdung für die Bewohner ergeben, wie verschiedene Gutachten gezeigt hätten, so Jürgen Hennigs von Straßen und Entwässerung Lemgo. Die chlorierten Kohlenwasserstoffe liegen in Schichten zwischen 2,50 und 5,50 Metern Tiefe. Das Grundwasser in dem untersuchten Bereich wird nicht durch Brunnen an die Oberfläche gefördert – so die gute Nachricht für die zehn direkt betroffenen Anlieger, die ihr Wasser aus städtischen Leitungen beziehen. "Außer Frage steht jedoch, dass eine Sanierung des Bereichs zwischen dem ehemaligen Betriebsgelände entlang des alten Wallkanals nach Westen unabdingbar ist", sagt Markus Baier, Leiter Geschäftsbereich Stadtplanung und Bauen. Großbohrtechnik oder 
Abpumpen Zwei unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen stehen zur Debatte – beide allerdings nicht ganz risikofrei. Man hat die Wahl zwischen Großbohrtechnik oder langfristigem Abpumpen des Grundwassers (Pump & Treat-Verfahren – Pumpen & Behandeln). "Beide Maßnahmen zur Sanierung des mit chloriertem Kohlenwasserstoff kontaminierten Bodens haben Vor- und Nachteile", erklärt Markus Baier. Bei der Großbohrtechnik würden schrittweise Bohrer mit einem Durchmesser von 1 bis zu 1,20 Metern eingesetzt, um das kontaminierte Erdreich zu entfernen, wie Jürgen Hennigs (Straßen und Entwässerung Lemgo) erklärt. Anschließend würde jedes Bohrloch direkt wieder mit Schotter verfüllt, um die Stabilität des Bodens zu erhalten, bevor das nächste Loch gebohrt würde. "Im Bereich der Gebäude würde entsprechend noch vorsichtiger gearbeitet und die Bohrlöcher mit Betonbohrpfählen versiegelt", so Jürgen Hennigs von Straßen und Entwässerung Lemgo. "Bevor diese Methode zum Einsatz kommen könnte, würden allerdings verschiedene Gutachter sowohl die Bodenbeschaffenheit, als auch die Bausubstanz der angrenzenden Häuser genauestens unter die Lupe nehmen, um das Risiko minimal zu halten." So würden einige der Häuser aufgrund der Altersstruktur eine gewisse Schieflage mitbringen – ein weiterer Risikofaktor. Die zweite Methode, das Pump & Treat-Verfahren sei eher eine reine Sicherungsmaßnahme, um eine weitere Ausbreitung ins Grundwasser zu vermeiden. "Bei diesem Verfahren reden wir aber über einen Zeitraum von 25 bis 50 Jahren", betont Jürgen Hennigs. "Dabei wird das Grundwasser hochgepumpt und mit Aktivkohle behandelt." Die Kosten für die Sanierung stehen noch im Raum. Die Großbohrmaßnahme würde hohe einmalige Kosten bedeuten, die "Pump and Treat"-Methode zöge Kosten für viele Jahrzehnte mit sich. Hennigs betont jedoch, dass zur Zeit keinerlei Debatten über die Kosten der Sanierungsmethoden an sich im Raum stünden, es vordringlich erst einmal darum ginge, die Bevölkerung vor etwaigen Schäden zu schützen. Untersuchung, Plan 
und Sanierung Die Verunreinigung, die die ehemalige chemische Reinigung im Bereich der Neuen Torstraße in Boden und Grundwasser hinterlassen hat, wird dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) übertragen, der sich für das Land NRW um die schwereren Fälle von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen kümmert. Mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag wird dem AAV 
sowohl die ergänzenden Sanierungsuntersuchungen, als auch die Erstellung eines Gesamtsanierungsplans übertragen. Auch die zukünftigen Sanierungsmaßnahmen sollen vom AAV übernommen werden. Kosten für die ergänzenden Untersuchungen, die Risikobewertung und die Erstellung des Gesamtsanierungsplanes sind vom AVV mit 180.000 Euro vorkalkuliert worden. Von diesen Kosten müssen Kreis und Stadt Lemgo 20 Prozent übernehmen. Zwischen dem Kreis Lippe und der Stadt Lemgo werden die anteiligen Kosten in Anlehnung an den Untersuchungsumfang im Verhältnis 43 zu 57 Prozent aufgeteilt. Nach ersten Untersuchungen im Jahr 2011 hatte die Einrichtung Straßen und Entwässerung Lemgo bereits eine Rückstellung in Höhe von 200.000 Euro gebildet. Im Rahmen des Jahresabschlusses 2014 weitere 300.000 Euro, so dass an Rückstellungen insgesamt 500.000 Euro zur Finanzierung des Eigenanteils zur Verfügung stehen.

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