Lemgo (pro). Sie laufen durchs Publikum, sie Zetteln den Aufstand an, werden in Säcke gestopft und in die Produktion verbannt: Die Darsteller der neuen Volksbühne Köln, Synonym zu "N.N. Theater", erwecken mühelos den Eindruck, als würden mehr als vier Schauspielende den Bärenanteil des Stück "Metropolis" bespielen. Tatsächlich trägt der häufige Szenenwechsel zum Verwirrspiel bei und verlangt den Zuschauenden höchste Aufmerksamkeit ab. Die Dynamik – auf, aber auch der Bühne selbst – setzte zum Finale des Lemgoer Sommertreffs einen um etwa zehn Minuten verfrühten Schlusspunkt – durch einen beweglichen Teil des Bühnenaufbaus am Kopf getroffen, ging "Maria" Aischa-Lina Löbbert kurzzeitig bewusstlos zu Boden und wurde nach erster Hilfe auf dem Marktplatz schließlich im Lemgoer Klinikum behandelt. Dabei hätten die Bedingungen in Lemgo an diesem Tag nicht günstiger sein können: Zwischen den teils heftigen Regengüssen am Mittag und Nachmittag war es gelungen, die Sommertreff-Kulisse im Trockenen aufzubauen. War es doch der letzte Termin der Eventreihe für dieses Jahr, hatten hunderte Lemgoer die Gunst der Stunde genutzt und schon deutlich vor Aufführungsbeginn um 20 Uhr alle Sitzgelegenheiten auf dem Marktplatz genutzt. Eine gesellschaftskritische und dennoch humordurchsetzte Darbietung, basierend auf dem gleichnamigen Film von Fritz Lang, war gebührender Lohn für die Wartezeit. Im "Metropolis"-Universum sind Unter- und Oberschicht räumlich gänzlich getrennt, was bewegliche Rampen in der Mitte der Bühne verdeutlichten. Der Reichste der Reichen, Joh Fredersen, einnehmend gespielt von Oliver Schnelker, herrscht mit Arroganz und Selbstgerechtigkeit über beide Welten. Seine Verbündete ist Irene Schwarz in ihrer Rolle als diabolische Erfinderin "Rotwang", ebenfalls durch und durch von ihrem Machtwahn besessen und gewillt ihre Position zu wahren, koste es, was es wolle. Direkte Untergebene werden beim kleinsten Patzer entlassen, selbst wenn der Fehler ihren Dienstherren anzurechnen wäre, und nach einer Gehirnwäsche mit großem Wehklagen zurück in die unterirdische Produktion geschickt. Die dort lebende Unterschicht erwirtschaftet tagein, tagaus den Luxus der Welt "oben"– und hat genug davon. Die Arbeiterin Maria schlägt sich im jungen Mut der aufkommenden Revolution, angefeuert von ihren Genossen, nach "Oben" durch und trifft auf den weniger machtstrebenden Sohn des anzubetenden Herrschers Joh Fredersen, Freder Fredersen (Michl Thorbecke). Einige tiefe Blicke, und schon lassen Komplikationen, Intrigen und Eifersüchteleien nicht lang auf sich warten. Um die verbotene Liebe herum spinnt sich die starke Inszenierung um gegenwärtige Problematiken wie Automatisierung, Geringschätzung, und vor allem die Schere zwischen Arm und Reich in unserer realen Welt. Wer neugierig geworden ist und auch das Ende der Geschichte live erleben möchte, dem sei die Vorstellung von "Metropolis" am Freitag, 26. August am Klosterplatz in Bielefeld empfohlen.
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Furioses "Metropolis" beim Sommertreff
Verletzung beendete Vorstellung des N.N.-Ensembles verfrüht
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