1. Wenn der Zuhörer vor Ehrfurcht erstarrt

    Oratorienchor und Kammerorchester führten Haydns Harmoniemesse auf

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    Detmold (bc). Der letzte Ton ist verklungen. Stille – Sekunden lang. Der erste noch leise, zögernde Beifall geht über in nicht enden wollenden Applaus. In Begeisterungstürme. Es scheint, als müssten die zahlreichen Zuhörer aus der musikalischen Welt des Joseph Haydn, die sie in den Bann gezogen hat, erst wieder in das Hier und Jetzt zurückfinden.

    Trotz zahlreicher Einladungen, für immer in London, dem damals glanzvollsten Musikzentrum Europas, zu bleiben, kehrte der 63-jährige Joseph Haydn auf seine Kapellmeisterstelle an den ungarischen Hof der Familie Esterhazy zurück. Zu seiner großen Erleichterung verlangte Nikolaus II. von dem inzwischen kränkelnden Meister nach seiner Rückkehr nicht mehr, als jedes Jahr eine Messe zum Namenstag seiner Frau, Fürstin Maria Hermenegilda, zu komponieren. Das Ergebnis war eine Reihe von sechs groß angelegten Messen. Die Harmoniemesse, die letzte der sechs Messen, erklang zum ersten Mal am 8. September 1802. Dieses großartige Werk hat Haydn nicht nur mit äußerster Sorgfalt komponiert, sondern auch mit großem Eifer einstudiert. Der Titel Harmoniemesse bezieht sich übrigens auf die reiche Besetzung der Blasinstrumente, der damals sogenannten "Harmonie". Man ist geneigt, dem sonatenförmigen Kyrie, das im Adagio verbleibt, eine herbstliche Gelassenheit anzumerken. Doch das gesamte Werk ist eher von Unruhe und Momenten dramatischer Intensität erfasst. Gloria und Credo sind großformatig angelegt, mit energischen Eröffnungs- und Schlussabschnitten, die den Rahmen für bedächtige, nachdenklichere Musik bilden: Die größte Überraschung bietet vielleicht das Benedictus, von dem man gemeinhin tröstliche pastorale Lyrik erwartet. Durch melodische Ehrlichkeit, die für den Altersstil Haydns so typisch ist, zeichnet sich das Agnus Dei aus. Diese Messe ist unbestreitbar der Höhepunkt seines Schaffens. Das Detmolder Kammerorchester zeigte sich von der ersten Sekunde an hellwach und einmal mehr als flexibler Klangkörper, aus dem Stimmen farbig hervortraten. Der in feiner Tongebung musizierende Detmolder Oratorienchor – von Prof. Karl-Heinz Bloemeke seit 1985 geleitet - meisterte seine Aufgabe mit homogenem Klang und klarer Textdeklamation tadellos. Das Solistenquartett Inga Balzer (Sopran), Sarah Romberger (Alt), Michael Peiler (Tenor) und Ansgar Theis (Bass) harmonierte in einer mehr als ansprechenden Leistung, eine stimmliche Präsenz, die den Raum der Kirche ausfüllte und mit der Vokalästhetik des Chores gut zusammenging. Die Leitung des Konzertabends lag in den Händen der Studierenden der Dirigierklassen von Prof. Anne Kohler, Prof. Karl-Heinz Bloemeke und Forian Lohmann. Dies waren Cedric Trappmann (Kyrie); Karolina Juodelyte (Gloria); Mona Rozdestvenskyte (Credo); Fabian Krämer (Sanctus); Adrian Büttemeier (Benedictus); Dorothea Harris (Agnus Dei). Sensibel, den Chor nicht zudeckend, durchsichtig agierend führten sie durch den Abend. Zu verstehen ist das Konzert auch als Teil der Ausbildung im Rahmen des Kirchenmusikstudiums. Die Hochschule für Musik Detmold veranstaltet zweimal pro Jahr Konzerte dieser Art, um den Studierenden ein Podium zu bieten, praktische Erfahrung sammeln können. Und dass diese praktische Erfahrung bestens umgesetzt wurde, zeigt der Erfolg dieser fulminanten Aufführung. Nicht unerwähnt bleiben darf die großartige Leistung eingangs des Konzertabends. Amelie Held spielte die Orgel-Fantasie f-Moll KV 608 von Wolfgang Amadeus Mozart, die als Trauermusik diente, virtuos und mit innigem Ausdruck. Amelie Held studiert sowohl Violine als auch Orgel an der Hochschule für Musik in den Klassen von Prof. Ulrike-Anima Mathé und Prof. Dr. Martin Sander. Neben ihrem Jungstudium bei Prof. Heidi Emmert in Regensburg absolvierte sie die Ausbildung zur nebenamtlichen Kirchenmusikerin. Nach diesem unvergesslichen Konzerterlebnis verabschiedeten sich die Musiker mit strahlenden Gesichtern, Zufriedenheit und Freude auf die Ferien.

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