Kreis Lippe/Detmold. "Rein rechnerisch betrachtet, haben wir auf dem Ausbildungsmarkt Detmold zu wenig Stellen für alle Bewerber" erklärt Rainer Dubbert, stellvertretender Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Detmold. Aktuell stehen im Juli 2016 für rund 499 unbesetzte Ausbildungsstellen im Agenturbezirk noch 902 unversorgte Bewerber gegenüber. Aber auch neben der rechnerischen Lücke finden Bewerberinnen und Bewerber und Ausbildungsbetriebe nicht immer zusammen. Abgesehen von strukturellen Problemen, wenn Wohn- und Ausbildungsort nicht zusammen passen, gibt es oft auch unterschiedliche Vorstellungen vom Beruf oder auch vom Arbeitgeber. Aber ein zweiter Blick kann sich lohnen. Nicht immer spiegeln sich die Kompetenzen und Fähigkeiten der Jugendlichen in ihren Schulnoten und Zeugnissen wider. Alle Jugendlichen brauchen eine Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs wird es immer wichtiger, Jugendlichen mit Defiziten in der Ausbildung rechtzeitig Unterstützung anzubieten und auch die Betriebe bei der Ausbildung zu stützen. Genau hier setzt die Assistierte Ausbildung (AsA) an. Während Arbeitgeber junge Menschen mit Unterstützungsbedarf im Betrieb ausbilden, unterstützt ein durch die Agentur für Arbeit bezahlter Bildungsträger intensiv und kontinuierlich die Jugendlichen in den unterschiedlichsten Bereichen. Dies kann der Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten, die Förderung fachtheoretischer Fertigkeiten bis hin zur Prüfungsvorbereitung sein oder auch eine notwendige Stabilisierung des Berufsausbildungsverhältnisses bis hin zur Krisenintervention. "Wir können auch unterstützen, wenn die Ausbildung bereits begonnen hat und Probleme erst gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres auftreten", so Dubbert. Der Bildungsträger kann neben den Jugendlichen auch den Betrieb durch Hilfestellung bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der Ausbildung oder auch der individuellen Erstellung eines Ausbildungsplanes, dem Coaching von Ausbildern oder der Umsetzung einzelner Ausbildungssequenzen im Betrieb unterstützen. "Wir alle wissen, wie zeit- und kostenintensiv eine Ausbildung ist, umso ärgerlicher ist dann ein Ausbildungsabbruch. Dem wollen wir mit dem Instrument AsA frühzeitig entgegenwirken. Gerade der präventive Charakter dieses Unterstützungsprogrammes ist uns sehr wichtig", betont Dubbert und ergänzt, "Prävention bedeutet für uns nicht nur, Jugendliche systematisch an die Berufswahl heranzuführen, sondern auch zu unterstützen, wenn es bei der Ausbildung Schwierigkeiten gibt. Assistierte Ausbildung ist kein Sonderweg, sondern begleitet eine ganz normale betriebliche Ausbildung. Die Ausbildungsverantwortung bleibt beim Betrieb. Die Auszubildenden schließen einen Ausbildungsvertrag und erhalten reguläre Ausbildungsvergütung durch den Betrieb. Neu ist der Nachhaltigkeitsanspruch. Es geht darum den gesamten Ausbildungsprozess – vom Ausbildungsbeginn bis hin zum erfolgreichen Abschluss - zu begleiten, um Lehrstellenabbrüche zu vermeiden. Somit richtet sich das Programm an Arbeitgeber und an die Auszubildenden. Ansprechpartner für die Umsetzung des Programms ist der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur unter der kostenlosen Telefon-Hotline: 0800 4 5555 20.
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Wenn der erste Blick trügt
Viele Ausbildungsstellen unbesetzt
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