Lemgo (rto). Ja, Lemgo ist nicht Havanna und auch das Temperament der Ostwestfalen, insbesondere der Hansestädter, ist eher unterkühlt als heißblütig. Das mussten am vergangenen Freitag auch die bajuwarischen Salsa-Revolutionäre der "Los Dos y Compañeros" erfahren. Sie seien eine Tanzband, verkündete die Band gleich zu Beginn ihrer Mission, möglicherweise ahnend was da auf sie zukam. Angesichts des reichlich bestuhlten Lemgoer Marktplatzes ein eher unwahrscheinlicher Aufruf sich der "Bewegung” anzuschließen.
Nachdem die sprachlichen Probleme gleich mit bereinigt wurden, ging es in den "Kampf”. Der eine oder andere Song war sogar für Westfalen zu verstehen, auch wenn die bayrische Mundart in ihren Klängen eher dem kubanischen Spanisch näher zu sein schien. Da wurde aus dem "Pata-Pata”-Song, den Miriam Makeba bekannt gemacht hat, dann schon mal "Mei bin i a kula Sau”. Aus weiteren bekannten Melodien wurde "Heit kocht die Mama” oder "Marie, die schönste Bedienung aus der Oberpfalz”. Nur eine Handvoll am Rand stehender Salsa-Tänzerinnen und -tänzer ließ sich doch irgendwann begeistern und tanzte gekonnt vor der Bühne. Das restliche Publikum klatschte in die Hände und spendete so, den für ostwestfälische Verhältnisse, großen Applaus. Seit über 15 Jahren touren die "Salsa-Revolutionäre" Land auf und ab. Das hat die Mundart-Exoten aus Bayern jetzt nicht nur nach Lemgo gebracht, sondern auch schon bis ins kubanische Radio. Das Besondere an der Band, für so manchen an diesem Abend auf dem Marktplatz leider nicht unbedingt erkennbar: Sie schafft mühelos den Spagat zwischen authentisch lateinamerikanischer Musik und urbayerischer Lebenskultur. Das kommt zwar bei Kubanern gut an, aber eben nicht bei den Lippern – an einem Freitagabend und wenn es dazu auch noch kühl ist. Die Texte der "Salsa-Guerilleros" mögen Humor und Tiefsinn besitzen, sind für Menschen nördlich des Weißwurstäquators ohne Salsa-Leidenschaft aber offensichtlich nur wenig verständlich. Ein Problem, das auch die Gruppe BAP mit ihrer kölschen Mundart sicher schon erlebt hat. Dennoch war es ein witziger Salsa-Abend mit einer unterhaltsamen Bühnenshow
