Detmold (ab). Benachteiligten Jugendlichen in Herberhausen und am Hiddeser Berg den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern ist das Ziel des städtischen Projekts "Jugend stärken im Quartier". Gestartet wurde es Anfang des Jahres und kann bereits erste Erfolge vorweisen. Sozialpädagogin Lisa Windau steht Jugendlichen zwischen 12 und 26 Jahren mit Rat und Tat zur Seite. Um den Kontakt zu erleichtern, ist sie vor Ort aktiv und bietet offene Sprechstunden an im Jugendzentrum "Domizil" (Herberhausen) und in der "Villa am Hügel" am Hiddeser Berg. Hier trifft sie die jungen Leute in deren Freizeit. "Da spielen wir auch mal zusammen Kicker", sagt sie. Man kennt sich, der Umgang ist locker, und so komme man leichter ins Gespräch. Die Problemlagen ihrer Schützlinge reichen vom klassischen Schulverweigerer über Probleme innerhalb der Familie bis zur Alkoholsucht. Manche sind auch straffällig geworden.
Lisa Windau hilft, passende Betriebe oder Schulklassen zu finden, die Bewerbungsunterlagen auf Vordermann zu bringen, bereitet die Jugendlichen auf Vorstellungsgespräche vor und unterstützt, wenn es Probleme in der Ausbildung oder in der Schule gibt. Auch zu Terminen etwa beim Jobcenter geht sie mit. Dort kennt sich Windau gut aus, hat selbst ein knappes Jahr in einem Jobcenter gearbeitet. Zudem war sie in der Kinder- und Jugendhilfe tätig. In ihrer Arbeit gehe es darum, Vertrauen aufzubauen und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken. "Motivation" sei das große Zauberwort, sagt Stefan Fenneker, Koordinator für Integration bei der Stadt Detmold. Man arbeite sehr intensiv mit den Jugendlichen und legt Wert auf Nachhaltigkeit: Denn auch wenn eine Vermittlung erfolgreich war, soll die Begleitung weitergehen, insgesamt bis zu 18 Monaten pro Teilnehmer. Derzeit kommen rund 20 Jugendliche regelmäßig in die Sprechstunden. Viele haben zwar einen Migrationshintergrund, aber das Projekt richtet sich an alle. Im Schnitt sind die Teilnehmer 15 bis 16 Jahre alt. In Herberhausen seien es vor allem junge Frauen Anfang 20, so Windau. Schon ein halbes Jahr nach dem Start kann "Jugend stärken" erste Erfolge verzeichnen. So habe ein Jugendlicher kürzlich einen Ausbildungsvertrag unterzeichnet, bei einigen weiteren sehe es ebenfalls sehr gut aus. Zwei haben wieder mit der Schule angefangen. Insgesamt habe man bisher 35 Jugendliche erreicht, sagt Fenneker. Neben den offenen Sprechstunden umfasst das Projekt weitere Bausteine wie die mobile Jugendarbeit mit Streetworkern und sogenannte "Mikroprojekte"– beispielsweise gemeinsame Baumaßnahmen im Ortsteil oder Sportveranstaltungen. "Jugend stärken" ist ein gemeinsames Projekt der Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Gefördert wird es vom Europäischen Sozialfonds. 240.000 Euro für Personal- und Sachkosten bekommt die Stadt Detmold für das Projekt mit einer Laufzeit von 3 Jahren. In Lippe sei man die einzige Kommune, die diese Förderung bisher beantragt hat, sagt Stefan Fenneker. Ende 2018 läuft das Projekt in Detmold aus, eine Verlängerung sei nicht ausgeschlossen. Bis dahin sollen 140 Jugendliche im Rahmen des Projekts beraten worden sein. Netzwerkpartner sind das Detmolder Jugendamt, der Deutsche Kinderschutzbund Detmold, das Jobcenter Lippe, die Agentur für Arbeit, die Hauptschule Heidenoldendorf und das Felix-Fechenbach-Berufskolleg und die IHK Lippe-Detmold. Die offene Sprechstunden im "Domizil" (Gut Herberhausen 5) finden montags und dienstags von 14 bis 17.30 Uhr statt. Mittwochs und Donnerstags ist Lisa Windau von 15.30 bis 18.30 Uhr in der "Villa am Hügel", Humboldtstraße 16.
