Augustdorf (hö). Mit einem Begegnungsfest hat sich die Flüchtlingshilfe Augustdorf weiter für die Integration zugewanderter Menschen in der Sennegemeinde eingesetzt. Nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats trafen sich Flüchtlinge und Augustdorfer Bürgerrauf dem Grillplatz am Schlingsbruch.
Die ehrenamtlich Tätigen um Klaus Mai hatten kein straffes Programm organisiert, sondern zum entspannten Miteinander geladen. Viele Gäste brachten Leckereien für Buffet mit, und auch einige Flüchtlinge hatten Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet. Andere verbreiteten mit Instrumenten und Gesängen einen Hauch von Orient und ließen Rhythmen und Melodien erklingen, die für die einheimischen Besucher gänzlich neu waren. Jugendliche spielten gemeinsam Fußball. Vor allem aber wurde die Gelegenheit zum Austausch genutzt. In persönlichen Gesprächen erfuhr man, welche Schicksale hinter dem Begriff "Flüchtling" stecken. Der 19-jährige Hani Al Ali beispielsweise flüchtete aus dem Irak, weil er nicht kämpfen wollte. Zu Hause spielte er Fußball und hatte gute Aussichten, in der obersten Liga zu spielen – hier ist er wie das Gros der Flüchtlinge zur Untätigkeit verdammt. "Ich weiß nicht, was aus meinem Antrag wird. Andere, die nach mir kamen, haben schon ihren Asylantrag durch. Ich muss immer noch warten", berichtet Al Ali. Ihn ärgern die vergeudeten Chancen. "Noch haben Fußballvereine Interesse an mir, aber wie lange noch?", fragt sich der junge Mann. Sprachliche Barrieren überwanden die Gäste des Begegnungsfestes teils mit Handzeichen, teils halfen andere Flüchtlinge als Dolmetscher aus. Saafa Abdul Razzay, Ingenieur für Computergesteuerte Kontrollsysteme aus Bagdad, berichtete in fließendem Englisch: "Die Unternehmen suchen händeringend nach Leuten wie mir. Ich habe schon Kontakte geknüpft, darf aber noch nicht arbeiten." In seiner Heimat Irak herrscht schon seit 10 Jahren Krieg. Er konnte all die Toten und schwer Verletzten nicht mehr sehen. Auch viele Freunde und Kollegen sind tot. In Deutschland fand er eine andere Welt. Die des Friedens und der Demokratie. "Es ist schon unglaublich, wie unterschiedlich die Welt ist", sagt Razzay. Auch Klaus Mai (Augustdorfer Flüchtlingshilfe) ist betrübt über all die traurigen Geschichten der Flüchtlinge. Er kümmert sich mit seinen Mitstreitern intensiv um die Menschen, die nach ihrer Flucht in der Senngemeinde stranden, damit sich Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. "Wir Deutschen haben früher einige Fehler gemacht, zum Beispiel mit den Türken. Als die Gastarbeiter kamen, wollten wir nur, dass sie hier arbeiten. Begriffe wie Integration gab es nicht." Heute läuft vieles anders ab: Der Helferkreis hilft Flüchtlingen in Augustdorf nicht nur mit materiellen Dingen, sondern leistet vor allem persönliche Unterstützung, ob in Form von Sprachunterricht, als Begleitung bei Amtsgängen oder als geduldiger Zuhörer, um den Neuankömmlingen den Start in Deutschland zu erleichtern. Rund 140 Flüchtlinge leben derzeit in der Gemeinde Augustdorf. "Ohne die freiwilligen Helfer könnten wir diese große Aufgabe nicht meistern", dankte Bürgermeister Dr. Andreas Wulf den Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Aufgabe der Gemeinde sei "vorrangig die Versorgung und Unterbringung", berichtet Wulf. Dafür stelle die Gemeinde in diesem Jahr rund 2,5 Millionen Euro im Haushalt bereit.
