Diestelbruch (ck). Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen des Vereins im voll besetzten Saal im "Alten Krug" zeigten, wie wichtig den Diestelbruchern ihr Ort ist. Während einer Talkrunde mit der ZDF-Fernsehmoderatorin Kay-Sölve Richter, dem Kunstradfahrer Simon Puls und dem Leiter des LWL-Freilichtmuseum, Prof. Dr. Jan Carstensen, erzählten die drei den Gästen Anekdoten aus ihrer Kindheit. Frei nach dem Motto: "Diestelbrucher und was aus ihnen geworden ist", berichtete Kay-Sölve Richter, die aus Mainz angereist war, von einer wilden Kindheit mit jeder Menge Schabernack. "Ich war in der Bande ‚weiße Rose’– wir wollten uns mit ganz schrecklichen Taten fast unsterblich machen, allerdings in ganz anderer Hinsicht." Telefonzellen mussten für einen Eierangriff herhalten. "Wir mussten als Strafe putzen und erhielten drei Mal kein Taschengeld", erinnert sie sich lachend. Sie blickt gerne zurück und findet, dass Diestelbruch ein schönes Ziel ist, wo man gerne hinkommt. Außerdem habe sie hier in Lippe ihre ersten beruflichen Schritte gemacht. Vom Bürgerfunk zum Praktikum, weiter zum Volontariat bei "Radio Lippe". Danach ist sie zum Studium nach Hamburg gezogen und hat in kleinen Schritten den Weg zum großen Sender ZDF geschafft. "Ich bin froh über meinen Werdegang. Ich habe es von der Pike auf gelernt." Fragen aus dem Publikum beantwortete sie gerne und schaffte es mit dem Satz "Ich kenne ihre Wohnzimmer", sich noch mehr Sympathien zu sichern.
Simon Puls ist aus Bielefeld angereist, er hat immer noch einen starken Bezug zu seinem Heimatort. "Ich bin mit meinen Geschwistern mit dem Einrad durch den Ort gefahren." Leider habe er zunächst keinen Verein gefunden, der ihn im Kunstradfahren unterrichten wollte. "Durch meine kleinen Geschwister habe ich dann doch den Einstieg als Elfjähriger geschafft." Er ist Vize-Weltmeister, hat seine Einrad-Karriere mittlerweile beendet und konzentriert sich nun voll auf sein Studium der Mechatronik in Lemgo, das er demnächst mit dem Master abschließt. "Meine Zukunft habe ich noch nicht voll geplant, aber OWL ist eine der stärksten Standorte was Industrie und Automation angeht." Professor Jan Carstensen lebt mit seiner Familie seit 2008 wieder in Diestelbruch. "Als ich damals als Kind aus Schleswig Holstein nach Diestelbruch zog und mich die anderen Kinder fragten: Wo kommst du denn wech, erlebte ich meinen ersten Schock", so Carstensen lachend. "Zuerst wollte ich wieder sofort weg von Diestelbruch, hat aber nicht geklappt." Er richtete aber nicht nur den Blick zurück, sondern in Richtung Zukunft der Dörfer. "Ich gehe davon aus, dass solche wunderschönen Orte wie Diestelbruch erhalten bleiben." Er hat Hoffnung, dass durch Zuwanderung viele weitere Orte erhalten bleiben. Für ihn ist Diestelbruch ein luftiger, ruhiger Ort, wo seine Familie ist. Als Vierte der Talkrunde war Ute Bellion eingeladen. Die ehemalige Vorsitzende von Greenpeace International hatte aber aus familiären Gründen absagen müssen. Gerhard Hansmeier, Vorsitzender des Vereins "Unser Diestelbruch" begrüßte die Gäste und offenbarte anhand kleiner Vorstellungsfilme Einblicke in die Werdegänge der Talkrundenteilnehmer. Moderiert wurde der Nachmittag von LZ-Redakteur Martin Hostert.
