Lügde (afk). Dass das Königsschießen bei der Schützenbruderschaft St. Kilian Lügde diesmal völlig offen sein würde, hatte Schießmeister Uwe Jagalla schon geahnt: "Sonst hört man ja schon mal im Vorfeld, ob es da den ein oder anderen Kandidaten geben könnte. Aber diesmal habe ich nichts wahrgenommen." Seine St. Kilian-Schützen haben ihn aber auch 2016 nicht im Stich gelassen: Jörg Macke, Fahnenoffizier seit vielen Jahren, erfüllte sich seinen eigenen Wunsch und schoss den hölzernen Adler von der Stange. Als Kronprinz wird er im kommenden Jahr Benedikt Köchling ablösen, der jetzt am Schießstand einer der ersten Gratulanten war.
Die Schießmeister Uwe Jagalla und Thomas Roes hatten die Schießanlage für das zweitägige Königsschießen vorbereitet. Der Holzadler, von Tischlermeister Hoppenstock in jedem Jahr gefertigt, stand in 25 Meter Entfernung vom aufgepflanzten Luftgewehr und harrte der Schüsse, die da auf ihn abgefeuert werden würden. Bereits am Sonntag hatten sich einige Schützen ihre Trophäen wie Zepter, Ring und Kugel geholt. Der schwarze Vogel aber blieb auf seiner Stange. Erst am späten Vormittag des Montag wurde es dann ernst, als das Königsschießen in seine heiße Phase trat. Allerdings waren es zunächst nur Interessierte, die mal sehen wollten, wie es auf der Schießbahn denn so aussieht, die sich in den Schießraum wagten. Auch ein Schütze aus Alverdissen, der zu Gast beim parallel stattfindenden Katerfrühstück war, ließ es sich nicht nehmen, auf den Adler zu schießen. Die eigentlichen Kandidaten aber blieben aus. Ein paar Sprüche machten die Runde, Uwe Jagalla tigerte hin und her – nein, nervös sei er nicht, beteuerte er. "Wir finden schon einen König", war er sich sicher. Und er behielt Recht! Um 12.22 Uhr betrat Jörg Macke die Schießanlage des Schützenhauses, bereits formvollendet mit dem geforderten Zylinder auf dem Kopf. Man sah es ihm an: Seine Körpersprache verriet, dass er entschlossen war, sich selbst einen Wunsch zu erfüllen und König in Lügde zu werden. Der 52-Jährige legte an und schon mit dem ersten Schuss gab sich der Holzadler geschlagen. Er fiel zu Boden und damit war die Entscheidung gefallen! Jörg Macke atmete tief durch und sein erster Gedanke gehörte seiner Frau Andrea als er lächelnd erklärte: "Sie steht voll dahinter." Noch am Schießstand erhielt er die Glückwünsche von einigen seiner Schützenbrüder, vom Vorstand und auch vom herbeigeeilten amtierenden König Benedikt Köchling. Und der Jubel setzte sich wenig später dann fort, als Macke, begleitet vom Vorstand, König und dem Blasorchester Lügde ins benachbarte voll besetzte Festzelt einzog. Hier war dank der modernen Kommunikationsmittel bereits wenige Sekunden nach dem Königsschuss die Nachricht schon bekannt gewesen. Auf der Königsempore war es dann sein Schwager und König von 1999, Brudermeister Dietrich Günnewich, der der Öffentlichkeit offiziell die Nachricht verkündete. Der Kronprinzenplakette war das erste Abzeichen, das Jörg Macke bereits für sein neues Amt umgehängt bekam. Und wieder setzte es viel Applaus. Ehefrau Andrea stürmte dann auf die Bühne und belohnte ihren Mann für seine Leistung mit einem dicken Kuss. Ob sie auch die künftige Königin sein wird? Nun: beim Schützenball Ende Januar 2017 wird der Kronprinz sein Geheimnis lüften und seine Wahl für die Dame an seiner Seite und die Hofdamen präsentieren. Am Schützenfestsamstag, 8. Juli 2017 wird er dann offiziell als König proklamiert.
