Lügde (ak). Von einem guten Tag für Lügde sprach Bürgermeister Heinz Reker, als er jetzt mit einer Topfblume im Arm die neue Zweigstelle der Gemeinschaftspraxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) am Wall besuchte. Nachdem zuletzt eine Praxis für Allgemeinmedizin in Rischenau ihre Pforten schloss, war das jetzt ein erfreuliches Ereignis und den Bürgermeister auch einen Besuch bei den beiden Fachärzten Dr. Lorenz Holtwick und Norbert Drews wert.
Seit 1997 sind die beiden Fachärzte mit ihrer Erstpraxis am St. Ansgar Krankenhaus in Höxter tätig. Zudem betreiben sie bereits eine Zweigpraxis am Charlottenstift in Stadtoldendorf und schöpfen nun mit einer zweiten Zweigpraxis in Lügde ihr von der Kassenärztlichen Vereinigung zugestandenes Kontingent aus. Die KV hat diese weitere Zweigstelle allerdings nur unter Auflagen genehmigt: So darf lediglich an zwei Tagen in der Woche, montags und donnerstags, und ausschließlich von den beiden Seniorchefs in der Lügder Praxis behandelt werden. Andere in der Facharztpraxis beschäftigte Ärzte dürfen hier nicht eingesetzt werden. Die ersten Tage seit Eröffnung des Praxisräume bestätigten den Bedarf: Bereits 150 Patienten ließen sich von den beiden Chirurgen operieren. Dr. Holtwick und Drews betreuen nach eigenen Angaben derzeit als niedergelassene Fachärzte auf diesem Spezialgebiet 75.000 Patienten aus fünf Landkreisen von Nordhessen über Lippe bis Hameln-Pyrmont. Allerdings sind das keine Dauerpatienten wie bei niedergelassenen Zahnärzte, betont Dr. Holtwick: "Wir behandeln weder Zähne oder Kiefer noch schaffen wir Zahnersatz sondern setzen zum Beispiel Implantate oder operieren Tumore. Wir sind deshalb keine Konkurrenz zu den niedergelassenen Zahnärzten sondern arbeiten in Abstimmung mit ihnen und den Hausärzten an den von ihnen zugewiesenen Fällen. Wir sehen die Patienten in der Regel zur OP und eventuell noch einmal zur Kontrolle – und das war’s dann meistens." Wichtig sei ihnen bei der Entscheidung für den neuen Standort Lügde gewesen, dass den Patienten aus Lügde, Bad Pyrmont und Umgebung die bisher erforderlichen Fahrten nach Höxter ins St. Ansgar erspart bleiben - es sei denn, dass es sich um Risikopatienten handelt, die eine entsprechende Begleitung und Überwachung durch Anästhesisten während des Eingriffs benötigen. Hier greife man dann auf die weitaus umfangreicheren Möglichkeiten der Klinik zurück. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, welche Erleichterung das in dieser Ausnahmesituation einer Operation für den Patienten ist", berichtete Bürgermeister Reker, dem Weisheitszähne in Höxter operativ entfernt werden mussten. "Das ist nicht nur die Fahrt nach Höxter und zurück sondern auch die Wartezeit während des Eingriffs bindet ja auch noch eine zweite, die erforderliche Begleitperson. Das entfällt mit dem Standort Lügde jetzt." Vor allem für die wachsende Zahl Alleinstehender wird das wohnortnahe Angebot hilfreich sein, wissen die beiden Mediziner, die beide neben ihrem Zahn auch ein Medizinstudium absolvierten und sich dann sich zusätzlich als Fachärzte für Oralchirurgie sowie Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie spezialisierten. Dr. Holtwick (60) und Drews (55) waren 1997 die ersten, die als niedergelassene Ärzte als Gemeinschaftspraxis an ein Krankenhaus gingen. "Damals wollte man alles zentralisieren. Da sollten die Patienten kommen. Heute haben wir den gegensätzlichen Trend - jetzt gehen wir wieder zu den Patienten", stellt Norbert Drews fest. "Wir freuen uns natürlich, dass wir hier in Lügde nun eine so renommierte Facharztpraxis haben", gratulierte Reker und fügte lächelnd hinzu: "Auch wenn Arztbesuche ja meistens nicht erfreuliche Anlässe sind."v
