Lemgo (nr). Seine Aquarelle zeugen von akribischer Beobachtungsgabe und großem Können. Hans Tintelnot war Kunsthistoriker, Museumsleiter und seit seiner Jugend passionierter Maler. In Lemgo geboren und aufgewachsen, hat er sich seinerzeit stark für das kulturelle Leben der alten Hansestadt engagiert und es mitgeprägt. Jetzt zeigt eine Ausstellung im Hexenbürgermeisterhaus auf verschiedenen Etagen einige seiner Arbeiten: Aquarelle, Zeichnungen und Skizzenbücher aus dem Privatbesitz seiner Töchter Katharina Günther und Dorothea Krätzschmar-Hamann. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. August im Hexenbürgermeisterhaus zu sehen. Es sind nur 40 von 500 Arbeiten, die die Ausstellung zeigen kann – aus Platzgründen. Dafür sind sie mit viel Fingerspitzengefühl zusammengestellt worden und zeigen ganz bewusst die Entwicklung eines Malers, der impressionistisch begonnen hat und dessen Werke im späteren Leben stark expressionistische Züge erhalten haben. Die ausgewählten Arbeiten spiegeln so hervorragend die Bandbreite seines Schaffens. "Dabei war es unendlich schwer, eine Auswahl zu treffen", betont Dorothea Krätzschmar-Hamann. "Letztendlich wollten wir keine Wertung vornehmen, sondern ein Erinnerungsbild geben für einen Menschen, der die Kunst liebte und der immer und überall innehielt, präzise beobachtete und diese Beobachtungen zu Papier brachte." So sind vorwiegend Arbeiten aus den Jahren 1930 bis 1960 zu sehen, die in Breslau, Lemgo und vor allem auf Reisen zum Starnberger See und nach Italien entstanden sind. Beeinflusst von impressionistischen Werken von Lovis Corinth entstanden sehr farbintensive Aquarelle, in späteren Jahren flossen immer mehr Elemente des Expressionismus in seine Arbeiten: mit Motiven aus herausgehobenen Formelementen und dem Verzicht auch traditionelle Perspektiven. Hans Tintelnot wurde 1909 in Lemgo geboren und verbrachte auch seine Schulzeit hier. "Er hatte von frühester Jugend an eine Affinität zu der alten Architektur der Stadt, zur Natur, zum Theater und verstand es, seine Beobachtungen sehr genau auf Papier zu bringen", erklärte Jürgen Scheffler, Leiter der Städtischen Museen in Lemgo zur Einführung. Bereits in seiner Schulzeit entstand so das Bild eines Lemgoer Hohlweges, das, wie andere Arbeiten, die in dieser Zeit von ihm entstanden sind, von dem Künstler und Heimatforscher Karl Meier schon weit über das schulische Maß hinausgehen würden. In dieser Zeit entstand in dem jungen Künstler auch der Wunsch, Kunsthistorik, Archäologie, Geschichte und Literaturgeschichte zu studieren, was er in den Jahren 1930 bis 1934 in Berlin, München und Breslau tat. 1941 promovierte er an der Universität in Breslau, floh dort nach dem zweiten Weltkrieg 1945 nach Lemgo. Sein Werdegang ist der Kunst in jeglicher Hinsicht geschuldet. Er arbeitete als Dozent am Kulturhistorischen Institut in Breslau, war Universitätszeichenlehrer und Dozent an der Universität Göttingen und ab 1959 wurde er Direktor des Kunstgeschichtlichen Instituts, der Kunsthalle in Kiel und im gleich Jahr zusätzlich noch zum Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinschen Kunstvereins ernannt. Er verstarb 1970 in Hofgeismar und wurde in Lemgo beerdigt.
Bis auf eine Ausnahme, in einer kleinen Ausstellung während der Nachkriegszeit, in der der Verkauf der Bilder ein wichtiger Hinzuverdienst war, wurden seine Arbeiten niemals ausgestellt. Einige wenige Arbeiten sind vor kurzem in Breslau aufgetaucht und waren offensichtlich im dortigen Kunsthistorischen Museum für eine Ausstellung vorgesehen, die allerdings nie zum Tragen kam. Im Lemgoer Hexenbürgermeisterhaus finden die Arbeiten von Hans Tintelnot nun eine ihn ehrende Ausstellung, wobei neben den Aquarellen auch die verschiedenen Skizzenbücher und literarische Abhandlungen zu sehen sind. Den begleitenden Katalog zu den Arbeiten von Hans Tintelnot hat Gerhard Milting wunderbar gestaltet. Die Ausstellung ist im Rahmen der Öffnungszeiten immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.
