Oerlinghausen (kd). "Sieben Tage, sieben Künstler" lautete der Wettbewerb, den der Kunstverein Oerlinghausen zu seinem vierzigjährigen Bestehen ausrichtete. Beim "Kunstgespräch am Donnerstag" werteten Mitglieder des Vereins das Projekt aus. Wer eine Burka trägt, verschleiert seinen gesamten Körper, ist als Person nicht mehr erlkennbar. Bei ihrem Aufenthalt in Oerlinghausen wollte die Künstlerin Maria Wende die Burka "als Mittel der Entfremdung" zeigen und um "das System weiblicher Unterwerfung zu untergraben". Das Ziel sei allerdings nicht erreicht worden, wie der künstlerische Leiter des Vereins, Fred Schierenbeck, feststellte. Es habe sich kein Passant aufgeregt, die Reaktionen seien eher positiv ausgefallen. "Die Provokation verpuffte. Das ist alles ein bisschen zu nett gewesen", sagte er. Ein dickes Buch war das Ergebnis der Arbeit von Esra Oezen. Auf jeder Seite standen lediglich die beiden Worte "Und jetzt". Damit habe sie einen sehr überzeugenden Beitrag geleistet, um über Zeit und Handlung nachzudenken. "Sie ist sehr konsequent vorgegangen, es ist ihr allerdings zu wenig gelungen, nach außen zu gehen", sagte Schierenbeck. Fensterartige, farbige Gestelle hatte Nanja Gemmer an markanten Orten in Oerlinghausen aufgebaut. Damit habe sie den Betrachtern sicherlich die Augen geöffnet, um ihnen zu zeigen "wie der Ort aussieht, in dem wir wohnen", meinte Schierenbeck. Damit habe sie die in der Ausschreibung genannte Aufgabe recht gut getroffen. Der Jury gefiel der Beitrag von Daniel Chluba jedoch noch besser. Der Berliner ist als Zentaur durch Oerlinghausen gegangen. Das Mischwesen aus Mensch und Tier war in der griechischen Mythologie "eigentlich ein schreckliches Wesen, der Allerböseste von allen", erklärte Schierenbeck. "Er hat es umgedeutet und Schokolade verteilt." Chluba habe es verstanden, auf die Menschen zuzugehen und sogar zum Stadtgespräch zu werden. Auch die Jury hatte sich von der Performance begeistert gezeigt. Jurymitglied Thomas Thiel vom Bielefelder Kunstverein sagte bei der Preisverleihung: Chluba habe "die Absurdität in einen sehr gewöhnlichen Alltag einer Kleinstadt" transportiert. Der Kunstverein habe bewusst junge Künstler eingeladen, die sich erst noch entwickeln wollen. "Sie müssten aber noch konsequenter sein in ihrer künstlerischen Strategie", meinte Schierenbeck. Ihm sei aufgefallen, dass viele junge Künstler sich selbst in den Mittelpunkt stellen, um auf soziale Phänomene hinzuweisen. Bei "Sieben Tage, sieben Künstler" sei die öffentliche Teilhabe noch zu wenig gelungen. Innerhalb einer Woche sei dies auch schwierig. Die Beteiligten hätten sich zunächst auf den Ort einlassen müssen, um die notwendigen Inspirationen für ihren Beitrag zu erhalten. Wenn dann noch ein Feiertag (Fronleichnam) in die Woche falle, sei eine rechtzeitige Ankündigung nahezu unmöglich.
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Verpuffte Provokation
Kunstverein Oerlinghausen zog Bilanz seines Wettbewerbs
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