Lage (nr). Sonst ein Ort andächtiger Stille, kann Kirche auch mal ganz anders sein; nämlich dann, wenn Big-Band-Sound funky, soulig und poppig über die Bankreihen fegt und stillsitzen so gar nicht geht. Angedacht war eigentlich ein Open-Air-Auftritt der "Junior Big Band" und der "Bricktown Big Band" im kleinen Park hinter der Musikschule. Ein reizvolles Vorhaben, das leider buchstäblich ins Wasser fiel. Der Ortswechsel in die Kirche tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Die Songs waren toll gewählt und brillant arrangiert, die Moderation punktete zwischen informativ und humorvoll und der Leiter beider Big Bands, Tobias Richter motivierte seine Musiker zu Höchstleistungen.
Den Anfang machte die Junior Big Band mit Songs wie "City Kids", "Welcome to the Jungle" von Guns n Roses oder "Uptown Funk" von Bruno Mars und sie meisterten die typische Kirchenakustik, die nicht für einen runden, satten Bigband-Sound ausgelegt ist, wirklich mit Bravour. 150 Zuhörer hatten die Kirche St. Peter und Paul in Lage gefunden und die jungen Tonkünstler hatten ihr Publikum gleich bei den ersten Takten fest im Griff und, anders als bei den üblichen Konzerten in Gotteshäusern, sah man reihenweise im Takt wippende Füße. Ohne Zugabe ließ das Publikum sie jedenfalls nicht gehen. Mit "Rhythm is gonna get you" von Gloria Estefan haben sie das ausgedrückt, was sich durch den ganzen Abend zog – eine große Bandbreite ganz unterschiedlicher Musik, die alle eines gemeinsam hatte: Unglaublich viel Rhythmus. Den zweiten Teil des Abends legte die "Bricktown Big Band" ganz in die Hände der Liebe. So jedenfalls hörte man es immer wieder in der Moderation. Da war das wundervolle "Against all Odds" von Phil Collins, "Fields of Gold" von Sting oder "All of me", von John Legend einfach nur brillant sanft gespielt und immer wieder von Annika Krasa ebenso sanft gesungen. Dass sie auch anders können, zeigten sie bei Phil Collins "Sussudio", das tatsächlich so klang, als hätte der Pop-Titan es ausschließlich für Bigband arrangiert und dem unglaublich schwungvoll gespielten "Ai no corrida". Elvis Presley rockte mit dem "Jailhouse Rock" durch das Kirchenschiff und Annika Krasa intonierte Gloria Gaynors Hit "I will survive" und riss das Publikum schier mit. Und immer wieder stachen wirklich großartig gespielte Soli aus den einzelnen Instrumentengruppen heraus, die ihren reichen Entfaltungspielraum zeigten und dafür begeisterten Zwischenapplaus bekamen. Herausragend gut war auch "Birdland" von Weather Report. Funk, Soul und Swing: Musik mit Hingabe, Begeisterung und sehr intensiv. "Wir spielen seit über fünf Jahren in fast derselben Besetzung", erklärte Tobias Richter. "Und wir sind als Big Band reifer geworden." Das konnte man toll hören; den satten, runden Big-Band-Sound bringen sie längst mit und schaffen es dabei, mit ihren Arrangements immer etwas anders und frischer zu klingen. Vielleicht auch, weil sie sich auch an Arrangement fernab der alten Jazz-Standards wagen. Hätte Tobias Richter seine Musiker nicht zum Aufstehen gedrängt, hätte das begeisterte Publikum sicherlich noch eine zweite Zugabe erklatscht. So blieb es für die Zugabe bei Liebe: "The power of Love".
