1. Flüchtlingshilfe: Versorgt und untergebracht – und jetzt?

    Positive Zwischenbilanz und Ausblick in die Zukunft

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    Lemgo (nr). Es war eine Herausforderung für die Stadt und die verschiedenen Hilfsorganisationen im vergangenen Jahr, innerhalb kürzester Zeit angemessene Unterkünfte für zugewiesene Flüchtlinge bereitzustellen und diese Menschen zu versorgen. Eine ungeahnt große Unterstützung kam da von Seiten der Bevölkerung. Rund 60 Lemgoer, die sich seit fast einem Jahr ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren, haben sich vergangene Woche im Gemeindehaus von St. Pauli getroffen und eine erste Bilanz gezogen – und die fällt ausnehmend gut aus. Nun blicken sie in die Zukunft und wollen gemeinsam an der Integration arbeiten.

    "Ohne dieses ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe wären wir nicht da, wo wir jetzt sind", ist Bürgermeister Dr. Reiner Austermann überzeugt. "In diesem Jahr hat sich die Situation grundlegend verändert und das ist zu einem großen Teil eben den Menschen zu verdanken, die sich so engagiert für Flüchtlinge einsetzen." Dass dies nicht immer einfach ist und war, wissen insbesondere auch Dagmar Begemann und Thomas Frank, die die Lemgoer Flüchtlingshilfe koordinieren. "Es hat sich viel getan im vergangenen Jahr, weiß die Leiterin des Mehrgenerationenhauses. "Wir wollen uns zum einen für das große Engagement bedanken und zu einem Meinungsaustausch darüber kommen, wie die Arbeit in der Flüchtlingshilfe sich entwickelt hat und wo es hingeht." Letzteres wird sich komplizierter gestalten, sind sich beide sicher. Denn während es in den ersten Wochen und Monaten schlichtweg darum ging, geflüchtete Menschen sicher unterzubringen und zu versorgen, sei heute die Hilfe zur Selbsthilfe gefragt. "Mittlerweile geht es darum, sich dauerhaft zu kümmern", betont Thomas Frank. "Es gilt, Herausforderungen zu bewältigen, die schlichtweg die kulturellen Unterschiede mit sich bringen." Da träfen ganz verschiedene Familienbilder aufeinander, die Sprachbarriere sei weiterhin ein großes Problem und die Rollenbilder innerhalb der Gesellschaft wichen auch deutlich voneinander ab, erklärt er. Vor allem hätten die Geflüchteten ganz unterschiedliche Ausgangssituationen, die man beachte müsse. In den Auswertungen habe sich gezeigt, dass die Qualität der Begleitung angehoben werden müsse und auch die Patenschaften, die sich mit der Zeit entwickelt hätten, sollen besser begleitet werden. Einig sind sich alle, dass die Asylbewerber nun aktiviert werden müssen. "Wir müssen vom Krisenmodus in den Integrationsmodus gehen", so der Bürgermeister. "Viele Flüchtlinge sind hochmotiviert, wollen arbeiten und etwas für unsere Gesellschaft tun." Hier will die Stadt Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, allerdings gäbe es strikte Vorgaben. So dürfen Asylbewerber nur Aufgaben übernehmen, die sonst unerledigt geblieben wären. 1,05 Euro die Stunde – also weit entfernt vom Mindestlohn – sollen sie für gemeinnützige Arbeiten erhalten. Lichtblicke in der Arbeit der Ehrenamtler. Ein Großteil dieser engagierten Gruppe will sich auch weiterhin und dauerhaft in der Flüchtlingshilfe einsetzen. Die offene Fragerunde am Ende machte deutlich, was viele beschäftigt: Möglichkeiten in Kindergarten und Schule für die Kinder und im Arbeitsbereich für die Erwachsenen zu schaffen, ohne dass in der Zivilgesellschaft Missgunst und Diskussionen aufkeimen. "Es ist eine wahre Gratwanderung, nicht in schiefe Diskussionen zu verfallen", so Austermann. "Es besteht immer die Gefahr, dass der eine oder andere denkt, Asylbewerber würden uns etwas wegnehmen. Das tun sie ganz gewiss nicht."

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