Bad Salzuflen (dib). Omas alter Sessel vor dem Fernseher, die klassische Stehlampe daneben und eine Flasche Rotwein auf dem Tisch - die Bühnendekoration beim ersten Konzert des Männerchores unter der Leitung des neuen Dirigenten Maximilian Zindel am vergangenen Sonntag in der Gelben Schule hat schon mal gepasst. Wenn auch etwas sehr bürgerlich und leicht angestaubt. Aber zumindest haben van Goghs Sonnenblumen - natürlich nur als Druck - und die Tüllgardinen das dunkel wirkende Bühnenbild etwas aufgehellt. Die Musikauswahl dagegen war perfekt und hat dem überwiegend weiblichen Publikum von Anfang an gefallen. Großen Anteil am Gelingen des Konzertes haben auch Alina Hamdorf (Gesang) und Eva Maria Pawellek am Flügel, die als Gäste den Männerchor unterstützt, und dem Konzert damit eine persönliche Note gegeben haben.
Alina Hamdorf sang sich mit dem "Mädchen aus dem 4. Stock", das nach ihrem Einzug in ihre Wohnung miterleben muss, was die Nachbarn so alles hören - von Carmen über Zauberflöte bis zu Rosamunde Pilcher - sofort in die Herzen der Zuhörer und riss mit ihrem Temperament das Publikum mit. Aber auch mit "Ganz nah dran" aus Walt Disneys Zeichentrickfilm "Küß den Frosch" sowie "Nur für mich" und "I dreamed a dream" aus dem Musical "Les Miserables" nach Victor Hugos Roman "Die Elenden". Der Männerchor begann das Konzert mit dem "Abendfrieden" nach Franz Schubert, beschrieb mit "Aus der Traube in die Tonne" den Weg des Weines, erinnerte noch einmal mit der Filmmusik an die Fernsehserie "Derrick" und begeisterte total mit dem "Kriminal-Tango" des unvergessenen Hazy-Osterwald-Sextetts, in dem passend im Lied sogar ein Schuss fiel. Mit "Bring ihn heim" und dem "Lied des Volkes" widmete sich der Männerchor zwei weiteren Stücken aus dem Musical "Les Miserables". Chorleiter Zindel erzählte zwischendurch die Handlung des Musicals, das Ende ließ er aber offen - "für das nächste Konzert", erklärte er. Mit diesem schönen, aber leider nur sehr kurzen, Wohnzimmerkonzert haben Maximilian Zindel und die Sänger den Spagat gewagt, Neues zu probieren, und dabei Altes zu bewahren. Und das ist ihnen sehr gut gelungen, denn zum Schluss war aus den Reihen des Publikums der Ruf zu hören: "Och, schon zu Ende?".
