Kreis Lippe/Detmold (ab). Eine Solaranlage auf dem Dach installieren und den Strom für den Eigenverbrauch speichern. Das lohnt sich nicht, sagen manche. Doch! – sagt die Verbraucherzentrale. Sie hat die Kampagne "Schick die Sonne in die Verlängerung!" gestartet. Ob das eigene Dach geeignet ist, können Hausbesitzer im Vorfeld beim Solardachkataster des Kreises Lippe online prüfen.
Mit einer Solaranlage und einem Batteriespeicher könnten Hauseigentümer tagsüber Energie sammeln, um damit nach Feierabend Laptop, Fernseher und Küchenmaschinen zu betreiben. Es gehe nicht mehr darum, seinen selbst produzierten Strom ins Netz einzuspeisen und vom Betreiber dafür ein Entgelt zu bekommen. Vielmehr produziert man für den Eigenbedarf, benötigt weniger Netzstrom und muss so monatlich weniger Geld ans Versorgungsunternehmen überweisen, erklärt Matthias Ansbach, Energieberater bei der Verbraucherzentrale. Statt 25 bis 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms könnten Speicherbesitzer mehr als 60 Prozent direkt nutzen, so Ansbach weiter. Solardachkataster Ob das eigene Dach für eine Solaranlage geeignet ist, kann man beim Solardachkataster des Kreises Lippe unter "www.solardachkataster-lippe.de" online prüfen. Die Seite wurde mit Unterstützung der Sparkassen Paderborn-Detmold und Lemgo überarbeitet und der Datensatz aktualisiert. Das Kreisgebiet wurde dafür neu überflogen und die Dächer eingescannt, erklärt Mareike Sander vom Kreis Lippe. Auf der Seite gibt man seine Adresse ein; Dachflächen werden in der Kartenansicht farbig dargestellt, so dass man auf Anhieb erkennt, welche Fläche wie gut für Solartechnik geeignet ist. Dachflächen Richtung Süden sind übrigens nicht automatisch die besten. Morgens und abends sind West-Ost-Flächen im Vorteil. "West-Ost ist das neue Süd", bringt es Ansbach auf den Punkt. Mit dem Ertragsrechner kann man ermitteln, wie viel Strom man einsparen kann, was eine Solaranlage kosten würde und wie hoch der zu erwartende Gewinn nach 20 Jahren ist. Die voreingestellten Standardwerte für den geschätzten Verbrauch, den aktuellen Strompreis und ob man einen Batteriespeicher einbauen möchte oder nicht lassen sich dafür individuell anpassen. Berechnet wird auch der Eigenverbrauch, also der Anteil des erzeugten Solarstroms, der entweder direkt verbraucht oder zur Ladung des Batteriespeichers genutzt wird. Je höher der Eigenverbrauchsanteil, desto weniger Solarstrom wird ins Netz eingespeist. Der Autarkiegrad zeigt, wie viel vom gesamten Stromverbrauch durch selbstproduzierten Solarstrom gedeckt wird. Je höher der Autarkiegrad, desto weniger Strom wird aus dem Netz bezogen. Man bekommt also quasi ein Maß für die eigene Unabhängigkeit vom Netzbetreiber. Um detaillierter zu rechnen, lässt sich auch die Belegung der Dachfläche anpassen. Einzelne Solarmodule können per Mausklick hinzufügt oder entfernt werden. So kann man beispielsweise Dachflächenfenster von vornherein in die Berechnung einbeziehen. All das ersetze natürlich nicht eine individuelle Beratung. In einer aktuellen Marktübersicht hat die Verbraucherzentrale NRW die Daten von mehr als 30 Anbietern zusammengestellt. "Darin bestätigt sich der Trend der insgesamt fallenden Preise, den auch wir seit einiger Zeit beobachten", sagte Ansbach. Auch bei den Batterien gebe es einige wichtige Punkte zu beachten. So sollte die Garantie für alle Teile des Speichers für mindestens zehn Jahre gelten. Nur dann gebe es auch den staatlichen Förderkredit, der noch bis Ende Juni mit dem besten Tilgungszuschuss zu haben ist. Der Stromverbrauch der Batterie selbst sowie Besonderheiten der Blei- und Lithium-Varianten seien ebenfalls zu bedenken. Nicht zuletzt ist die steuerliche Behandlung wichtig für die Wirtschaftlichkeit. In Sachen Solartechnik gibt es in Lippe noch viel Luft nach oben, die Abdeckung liegt unter 10 Prozent. Den Solardachkataster gibt es seit 2012. Im vergangenen Jahr wurde er monatlich im Schnitt 1.500 Mal angeklickt, rund 18.000 Klicks waren es insgesamt. Diese Zahl werde man voraussichtlich auch in 2016 erreichen, meint Mareike Sander. Infostand am 22. Juli Am 22. Juli informiert die Verbraucherzentrale über die Aktion am Stand im Eingangsbereich des LWL-Freilichtmuseums in Detmold. Der Eintritt ist an diesem Tag frei. Weitere Infos zum Thema gibt es auf "www.verbraucherzentrale.nrw/sonne".
