Bad Salzuflen (dib). Heimische Hölzer wie Eiche, Kirsche, Walnuss, Pappel, Linde oder Robinie sind es, die der Bildhauer Gottfried Strathmeier mit Stechbeitel und Kettensäge bearbeitet, und aus den Stammteilen Skulpturen und Holzobjekte herausarbeitet. Nach einer Gemeinschaftsausstellung mit Adam Grimann im Jahr 2011 stellt Strathmeier noch bis einschließlich Sonntag, 26. Juni, unter dem Titel "Räume" etwa 30 Arbeiten im "Fachwerk" am Pfarrkamp 8 in Schötmar aus. Seine Quader und Stelen erinnern ein bisschen an Holzbausteine aus der Kindheit, aber auch an in Kriegsgebieten zum Teil zerstörte Hochhäuser. Keine exakt geometrischen Formen, sondern gebogene Ecken und Kanten, sowie aus den Blöcken herausgearbeitete "Fenster", die ebenfalls nicht exakt rechteckig sind. Anschließend bearbeitet er sie mit der offenen Flamme, um sie zu schwärzen, oder er lasiert sie, um die Maserung des Holzes hervorzuheben. Die Themen Krieg und Flucht sind bei Strathmeier gewollt. Das Ausstellungsthema "Räume" bezieht er darauf, dass Menschen ihre gewohnte Umgebung, ihre Wohnung oder ihr Haus verlassen wollen, um sich zu verändern, oder aber verlassen müssen, weil sie in Gefahr sind. Auch sein Holzschnitt "il mare e la terra ..." des italienischen Sängers und Liedermachers Gianmaria Testa von der Insel Lampedusa, der übersetzt in etwa so viel bedeutet wie "Meer und Erde, die uns früher oder später empfangen" ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich Strathmeier mit der weltweiten Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt. Seine beiden Bootsfragmente deuten ebenfalls darauf hin. Ein Boot stellt er nur als Spantengerippe dar. Hier weiß der Betrachter nicht, ob es sich noch im Bau befindet, um Flüchtlinge übers Meer zu bringen, oder ob es bereits gestrandet ist und die Beplankung entfernt wurde. Das zweite Boot dagegen ist nur ein Teilstück eines Bootes, ein Fragment, das Strathmeier wieder mit offener Flamme geschwärzt hat, und so andeutet, dass es bereits untergegangen ist und schon lange im Wasser liegt.
Auch seine zwei kompakten Menschengruppen lassen sich auf die Situation der Flüchtlinge übertragen. Die eine Gruppe beugt sich nach vorn, als würde sie eine schwere Last tragen. Es könnten aber auch Menschen sein, die sich auf der Flucht befinden und nach vorn drängen. Die zweite Gruppe dagegen ist untätig, sie verharrt in ihren Bewegungen, etwa um entgegenkommende Flüchtlinge zu begrüßen, oder untätig zusehen zu müssen, wie weit draußen auf dem Meer gerade ein Flüchtlingsboot kentert? Der Betrachter muss für sich entscheiden, was er in den Menschengruppen sehen möchte. Beeindruckend sind auch die zwei Baumscheibendrucke, die Strathmeier aus einer dicken Scheibe Pappelholz mit einem Durchmesser von rund 110 Zentimetern gefertigt hat. Weil der Stamm bereits innen zum Teil vom Baumpilz zerstört wurde, läßt sich in diese Drucke sehr viel hineininterpretieren. Die Jahresringe kommen deutlich hervor und die Risse im Stamm gehen wie von Kindern gemalte Sonnenstrahlen auseinander. Seine beiden Frauenköpfe, der eine aus Pappel-, und der andere aus Pflaumenholz gefertigt, lassen erkennen wie unterschiedlich Strathmeier das Holz bearbeitet und mit dem Werkstoff umgehen kann – mal grob herausgearbeitet und mal mit sehr feinem Schleifpapier geglättet, so dass der Eindruck einer plierten Oberfläche entsteht. Beim Betreten der Ausstellung wird der Besucher von einer sehr schlanken, leicht gebeugten Figur in Lebensgröße aus gelbblassem Pappelholz empfangen, die sehr grob gearbeitet ist, jedoch einen fein säuberlich geschliffenen Goldhelm auf dem Kopf trägt. Darauf sitzt ein afrikanischer Nashornvogel, ein Calao, der bei den Naturvölkern des Kontinents Fruchtbarkeit, Glück und Wohlstand symbolisiert. Es bleibt für den Besucher die Frage offen, ob es sich um eine Ausstellung mit politischen Aussagen handelt. Nein, wenn man nur die Holzobjekte an sich und ihre Verarbeitung betrachtet. Aber ein deutliches Ja, wenn man Strathmeiers Aussagen, die sich dahinter verbergen, erkennt. Und das will der Künstler erreichen. Geöffnet ist diese bemerkenswerte Ausstellung dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, sowie sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr.
