Kreis Lippe. Über 270 Personen aus Unternehmen, Hochschule, Politik und Verwaltung trafen sich am 30. Mai 2016 zur 31. "Museumsrunde" im LWL-Freilichtmuseum Detmold, um unter anderem über die Anforderungen an eine zukunftsfähige Infrastruktur zu diskutieren. Eine vom "Exil-Lipper" Thorsten Wagner geleitete Talkrunde mit Ernst-Michael Hasse (Präsident der IHK Lippe zu Detmold), Dr. Oliver Herrmann (Präsident der Hochschule Ostwestfalen-Lippe) und Landrat Dr. Axel Lehmann lieferte viele Ideen sowie ausreichend Gesprächstoff für den weiteren Verlauf des Treffens.Dem Landrat ging es vor allem um Strategien gegen die Abwanderung aus dem ländlichen Raum: "Wir dürfen den ländlichen Raum nicht abhängen, sondern müssen seine Potenziale nutzen und ausbauen." Man müsse dabei oft ganz neue Wege gehen. "Wie diese aussehen können, würde ich gerne in einem ÖPNV-Modellversuch für Lippe testen", so Dr. Lehmann weiter.
Aber auch bei der Basisinfrastruktur gehe es weiter, betonte Lehmann: Bis 2018 sollen alle Gewerbegebiete leistungsfähige Breitbandanschlüsse erhalten. Der Kreis, die IHK Lippe und die Stadt Detmold bereiteten gemeinsam einen Antrag zum Breitbandausbau vor. Das sei angesichts der fortschreitenden Digitalisierung auch dringend notwendig, ergänzte Hasse: "Ein guter Breitbandanschluss ist mittlerweile Standortfaktor Nr. 1 und die Unzufriedenheit in Lippe hoch." Hasse sieht in der Digitalisierung eine große Chance für den lippischen Mittelstand, aber auch einige Herausforderungen, die allein schwer zu lösen seien. "Gerade im Bereich der Digitalisierung kann die Hochschule den Unternehmen mit passgenauen Angeboten dort helfen, wo der Schuh drückt", meinte dazu Dr. Herrmann OWL. "Zum Beispiel durch Schulungen, Projekte und Tests in der Smart-Factory OWL." Hasse empfahl allen Unternehmen, die vielfältigen Angebote und die hohe Kompetenz der Forschungseinrichtungen vor Ort zu nutzen. Dr. Herrmann ging es aber nicht nur um die konkrete Anwendung neuer Technologien. Mit Blick auf den Kampf um Fachkräfte müsse die Region mit Leuchttürmen auf sich aufmerksam machen. "Mit dem Detmold Centre for Culture and Creativity (DCCC) und dem Innovation Campus Lemgo hat die Hochschule OWL gemeinsam mit den Partnern vor Ort bereits heute die Weichen für Wachstum auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt gestellt." Die Kooperation mit Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in der Region werde dabei mehr denn je ein Schlüssel zum Erfolg sein, ist Dr. Herrmann sicher. Abschließend forderte Hasse alle Beteiligten dazu auf, sich für eine neue Gründerkultur einzusetzen: "Wir brauchen mehr Gründungen in Lippe - vor allem im Bereich der digitalen Wirtschaft." Junge Gründer suchten mehr als früher den Austausch mit anderen. "Hier müssen wir unbedingt die notwendigen Strukturen und kreativen Räume schaffen."
