Lügde (afk). Wie kann man Kindern und Schülern Mathematik und Informatik spannend und interessant vermitteln? Das war die pädagogische Aufgabe, vor die sich Lehrer und Erzieher aus den vier Lügder Kitas, den zwei Lügder und einer Pyrmonter Grundschule sowie der Sekundarschule stellten. Diese Bildungsträger aller Bildungsstufen haben sich seit 2011 zu einem Arbeitskreis MINT zusammengeschlossen, der sich speziell mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik befasst. Zum 6. Mal fand jetzt der Projekttag statt, bei dem die Ergebnisse der jungen Forscher im Emmerauenpark vorgestellt wurden, diesmal unter dem Motto "Voll in Form".
Den Spaß am Erforschen von Phänomen der Naturwissenschaften und Technik, aber auch eher "trockenen" Stoffen wie Mathematik und Informatik schon von klein auf bei den Kindern und Jugendlichen zu wecken, hat sich das MINT-Projekt vorgenommen. "Nachdem auch an anderen Orten fast bei MINT-Tagen ausschließlich mit Technik und Naturwissenschaften gearbeitet wurde, war es an der Zeit, uns mal mit den beiden anderen Schwerpunkten zu beschäftigen", sagt Jürgen Weiland, der das Lügder MINT-Projekt leitet. "Es ist die durchaus anspruchsvolle pädagogische Aufgabe diese Themen spannend und altersgerecht zu gestalten." Er lobte die kreative und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Bildungseinrichtungen. Die Kitas "Tausendfüßler", "Pusteblume", St. Marien, Falkenhagen und Sabbenhausen, die Grundschulen Lügde, Rischenau und erstmals auch der Grundschule Bad Pyrmont-Holzhausen sowie die Sekundarschule hatten eindrucksvoll auf verschiedene Weise kreative und spannende Aktionen an ihren Ständen erarbeitet. Geometrische Formen standen dabei eindeutig im Mittelpunkt. Kreise, Vielecke, Körper etc. zu erkennen, sie herzustellen und diese dann erklären zu können hat schon einen gewissen Anspruch. Interessant war zu erleben, wie sich Kinder der Kitas und der Grundschulen diesem Stoff näherten, der vielen in der Schulzeit eher ein Graus war und ist. Hier die Barrieren abzubauen und auf zum Teil spielerische Weise diese theoretische Welt zu erschließen hat sich MINT vorgenommen. Fernziel ist es, den technischen Fachkräftemangel mit zu beheben zu versuchen. Im Kleinen beginnt das eben im Kindesalter. Jede Bildungseinrichtung hatte ihren eigenen Stand aufgebaut, an dem sie den Besuchern ihre Experimente präsentierten. Nachdem im letzten Jahr dieser MINT-Tag kurzfristig aus Witterungsgründen in die Aula der Johanns-Gigas-Schule hatte ausweichen müssen, waren die Organisatoren diesmal umso glücklicher, dass bei warmen Temperaturen und Sonne diesmal die gesamte Veranstaltung im Emmerauenpark stattfinden konnte. Eltern, Geschwister, aber auch viele Interessierte, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft Waren gekommen, um sich die Ergebnisse zeigen zu lassen oder selbst mitzumachen. Bei der Präsentation mussten zum Beispiel Vorlagen mit Würfeln nachgebaut oder mit Papier Modelle gebastelt werden, die das flächige und räumliche Denken und Sehen forderten und förderten. Es wurden Denkaufgaben gestellt, die auch manchen Erwachsenen Kopfzerbrechen bereiteten, oder Kaleidoskope und lustige Geometriebrillen gebastelt. Und immer wieder galt es für die Besucher Aufgaben zu lösen, die ihnen die jungen Forscher stellten. Mit Begeisterung gaben sie gern Hilfen und erklärten, wie ein Problem zu lösen war. Spektakulär war ein in drei Tagen von Schülern der Sekundarschule unter der Leitung von Lehrer Oliver Jösten aus Computerschrott konstruierter 3D-Drucker, an dem die Arbeitsweise dieser Apparatur gut erkennbar war. Hier entstanden Schicht für Schicht aus Kunststoff kleine Schmuckstücke. Der Initiator und Sprecher Georg-Jeskow von Puttkamer betonte, wie wichtig es sei, schon frühzeitig die Kinder mit Mathe, Informatik, den Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen. Dass in Lügde bereits gute Ansätze erkennbar sind, davon ist Bürgermeister Heinz Reker überzeugt und meinte in Bezug auf das diesjährige Motto: "Dank MINT sind unsere Kinder voll in Form." An die Adresse seines Amtskollegen Klaus Blome aus Bad Pyrmont gerichtet und auf die Teilnahme der Holzhäuser Grundschule anspielend, merkte er zudem hoffnungsvoll an: "Wenn wir den Kampf gegen den Fachkräftemangel gewinnen wollen, dann geht das nur zusammen in unserem Talkessel." Das sehen die Firmen offenbar genauso: Immerhin 23 Wirtschaftsunternehmen und vier Stiftungen und Verbände aus Lügde und Bad Pyrmont unterstützen inzwischen das MINT-Projekt. Nach den Sommerferien wird sich der Arbeitskreis MINT in Lügde wieder mit allen Teilnehmern zusammensetzen, um das Thema für 2017 zu überlegen.
