1. Mehr als nur eine Hoffnung?

    Einwohnerantrag zum ehemaligen Höhne-Gelände im Rat

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    Oerlinghausen-Lipperreihe (kd). Wie steht es um den Einwohnerantrag? Rund 80 Lipperreiher wollten sich über den aktuellen Stand informieren. Der ursprünglich vorgesehene Gemeinderaum war viel zu klein, so dass auf die Kirche ausgewichen werden musste. Am Donnerstag, 2. Juni 2016, wird ab 18.30 Uhr in der Ratssitzung über den Antrag beraten.

    "Die Bürger können den Rewe-Markt nicht verhindern – das stimmt doch gar nicht", meinten Suzan und Jörg Gronemeier. "Gespielt wird ja bis zum Abpfiff und manchmal gibt es noch ein Elfmeter-Schießen." Die beiden Initiatoren des Einwohnerantrags gegen die Ansiedlung auf dem ehemaligen Höhne-Gelände zeigten sich zuversichtlich, dass auf die Meinung der Bürger gehört werde. Ihr Ziel ist es, eine ausgewogene Nahversorgung in allen Stadtteilen zu erreichen. Ein weiterer Supermarkt würde jedoch die Existenz des Bürgerladens LiLi in Lipperreihe bedrohen, so ihre Befürchtung. Ähnlich negative Auswirkungen sehen 83 Prozent der Geschäftsleute, die ihre Unterschrift "Pro Kernstadt" geleistet haben. "Es ist das erste Mal, dass wir uns politisch eingemischt haben", erklärte Suzan Gronemeier. "Aber wir hatten das Gefühl, etwas tun zu müssen, weil sich so viele Menschen für den LiLi-Markt engagiert haben." Die 2.000 Unterstützer des Einwohnerantrags seien ein deutliches Signal an die Politik. Sie hoffe auf einen fairen demokratischen Prozess, sagte Suzan Gronemeier. Diesen Eindruck habe sie im Bauausschuss jedoch nicht gewonnen. "Man hatte den Eindruck, als wenn man vor eine Wand spricht", berichtete Suzan Gronemeier. Ihr Ehemann ergänzte: "Unsere Argumente waren völlig egal. Als Reaktion erhielten wir eine fertig formulierte Antwort, die abgelesen wurde." Beide setzen nun auf die kommende Ratssitzung. "Mal sehen, ob dort mehr auf die Sachargumente gehört wird." Da öffentlich beraten wird, forderten sie dazu auf, daran teilzunehmen. "Wenn wir Präsenz zeigen, haben wir mehr Chancen durchzudringen." Der starke Applaus zeigte, dass die Anwesenden geschlossen hinter dem Begehren stehen. Der Vorstoß rief auch heftige Reaktionen hervor, wie Jörg Gronemeier berichtete. In Briefen an die Lippische Landeskirche wurde sein bürgerschaftliches Engagement als unvereinbar mit seinem Amt als Seelsorger bezeichnet. In einem siebenseitigen Schreiben eines ehemaligen Ratsmitglieds wurde er als "falscher Prophet" bezeichnet. Von einem Autofahrer wurde er vor seiner Haustür unflätig bedroht. Unterdessen hat der Bürgerantrag ungeahnte Nebenwirkungen nach sich gezogen. Michael Wallbaum, Geschäftsführer des LiLi-Marktes, berichtete, dass der Umsatz nach der Unterschriftenaktion enorm gestiegen ist. "Es sieht ganz gut aus. Ende des Jahres schreiben wir die schwarze Null", kündigte er an. Pro Stunde seien schon bis zu 65 Kunden gezählt worden. Nicht zuletzt dank der Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer sei der Markt gut angekommen. Den Gedanken griff Jörg Gronemeier auf und rief dazu auf, sich ganz praktisch für den Bürgerladen einzusetzen. Man könne Waren vorziehen oder nachräumen, Kunden beraten oder selbst an der Kasse sitzen. "Ein paar Stunden reichen schon aus", sagte er. Martina Lange von der Buchhandlung Blume kündigte an, dass auf Bestellung jetzt auch Bücher in den Laden geliefert werden. Die Initiatoren des Einwohnerantrags zeigten sich insgesamt optimistisch. "Politik ist die Kategorie der Wunder", zitierte Suzan Gronemeier die Philosophin Hannah Arendt. "Das hat mir Mut gemacht. Denn wenn Menschen handeln, ist vieles möglich."

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