1. Ex-Superintendent hat vor 50 Jahren 
einen damals 14-Jährigen missbraucht

    Post für rund 300 Konfirmanden der Jahrgänge 1965 bis 1976 / Kirchen-Repräsentanten zeigen sich gesprächsbereit

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    Im Rahmen der Vorbereitung, heißt es in dem Brief, "haben wir über einen der Konfirmanden des ersten Jahrgangs des damals unterrichtenden Superintendenten Kurt Eckels davon Kenntnis erlangt, dass Herr Eckels diesen Konfirmanden während eines eigens inszenierten Treffens im Pfarramt sexuell missbraucht hat." Es sei dem Betroffenen schließlich gelungen, sich der Situation durch Flucht aus dem "gezielt von innen verschlossenen Pfarrhaus" zu entziehen. Der Konfirmand habe damals nur einer einzigen Person seines Vertrauens von dem Erlebten erzählt. Gemeinsam hätten sie entschieden, weder die Eltern noch die Öffentlichkeit zu informieren, "da sie sich nicht zutrauten, im Rinteln der 60er Jahre den zu erwartenden Skandal durchzustehen." "Die Integrität der betroffenen Person sowie die Schilderung des Vorfalls," affirmierte Kühne Glaser, "lassen für uns keinen Zweifel daran, dass dieser Missbrauch so geschehen ist." Der damalige Konfirmand sei nach dem Vorfall nicht mehr belästigt worden. "Dennoch führt das Geschehene uns zu der Annahme," so Kühne-Glaser, "dass der verantwortliche Geistliche auch andere Schutzbefohlene sexuell missbraucht oder zu missbrauchen versucht hat." "Wir haben als evangelische Kirche viele Jahrzehnte oft nicht richtig hingesehen und nicht reagiert," räumte der Superintendent ein. "Wenn Mitarbeitende aus unseren Reihen ihre Schutz- und Vorbildfunktion missbraucht und Kinder und Jugendliche zu Opfern sexueller Übergriffe gemacht haben. Damit tragen auch wir eine Mitschuld daran, dass so Viele zu Opfern sexuellen Missbrauchs wurden und sich viele Betroffene nie gemeldet haben und für sich selbst einen Weg finden mussten mit den meist sehr belastenden Erfahrungen von Machtmissbrauch, Entwürdigung und Demütigung umzugehen." Tatsächlich muss der bekannt gewordene Fall von 1965 - an dessen Evidenz niemand zweifelt - bis dato als einmalig im Kirchenkreis eingestuft werden. Und Kurt Eckels verstarb bereits vor 26 Jahren. Dazu Kühne-Glaser: "Vielleicht hat der liebe Gott im ja verziehen." Allein in jüngerer Vergangenheit war einmal ein kirchlicher Mitarbeiter mit einer Schutzbefohlenen im Bett erwischt worden. Und die irdischen Konsequenzen, machte Andreas Kühne-Glaser klar, seien in keinem Fall verhandelbar: "Ein absolutes No-Go." Die Präsenz von Dr. Rainer Mainusch, dem Leiter der Rechtsabteilung der Landeskirche sowie deren Pressesprecher, Dr. Johannes Neukirch, beim Pressegespräch in der Superintendentur machte deutlich, wie ernst die unappetitliche Nachricht aus der Vergangenheit auch in den höheren Instanzen genommen wird. Unisono machten die Kirchen-Repräsentanten bei der Zusammenkunft eines besonders deutlich: Dass sie für den Fall des Falles mehr denn je gesprächsbereit sind. Auch wenn der singuläre Missbrauchsfall vor einem halben Jahrhundert kein Anlass für nervösen Aktionismus sein sollte. Ansprechpartnerin für Opfer sexualisierter Gewalt bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover zum Beispiel ist Pastorin Hella Mahler (Telefonnummer 05111241-650, Email: hella.mahler@evlka.de). Die Hotline für Opfer sexualisierter Gewalt erreichen Interessierte und Betroffene unter der Telefonnummer 0511/7008816.

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