Detmold (kh). Sie sind bestens ausgebildet, voller Tatendrang und wollen die Bretter der Welt erobern – eine Garantie dafür, dass der Einstieg in den Beruf glückt, ist das indes nicht: Oft bleiben jungen Sängern und Instrumentalisten die Eingänge der Stadttheater oder Opernhäuser verschlossen. Talent allein reicht heutzutage nicht mehr aus, um eine Karriere zu starten. Denn: Jung sollen sie sein, aber trotzdem reif und den Anforderungen der aktuellen Musiktheaterpraxis gewachsen. Und – nicht zu vergessen – reich an beruflicher Erfahrung. Eigenschaften, die den Seltenheitswert einer Eier legenden Wollmilchsau haben. Und weil die Leitungen von Hochschule für Musik Detmold und Landestheater Detmold sich dieser Diskrepanz bewusst sind, haben sie es sich bereits seit geraumer Zeit zur gemeinsamen Aufgabe gemacht, dem musikalischen Nachwuchs die Möglichkeit zu bieten, das nötige Wissen und Können frühzeitig zu erwerben. Um die Chancen für den Start ins Berufsleben zu optimieren, sollen die Eleven bereits während des Studiums erste Erfahrungen mit dem echten Opern- und Bühnenleben sammeln – mit all seinem Glanz, aber auch den dazugehörigen Fußangeln.
Was seit Jahren "auf Zuruf" passierte, hielten Prof. Dr. Thomas Grosse, Rektor der Hochschule für Musik, und Kay Metzger, Intendant des Landestheaters sowie Stefan Dörr (Veraltungsdirektor Landestheater) und Hochschulkanzler Hans Bertels nun einer Kooperationsvereinbarung für würdig. Vergangene Woche wurde sie unterzeichnet. "Eine ganze Menge des Miteinanders haben wir hier verschriftlicht", so Metzger und präsentiert das zweiseitige Vertragswerk. In ihm finden sich etwa die vielen Theaterbesuchern bekannten Operninszenierungen, die am Ende eines jeden Sommersemesters im "großen Haus"über die Bühne gehen. Während Sänger, Orchester und Regie von Seiten der Musikhochschule kommen, steuern die Mitarbeiter des Landestheaters beispielsweise ihr Know-how für die gesamte Bühnentechnik und Logistik bei. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber nicht minder ausbildungsrelevant: das Dirigenten- und Instrumentenforum. Hierbei steht das Symphonische Orchester des Landestheaters zum einen Studierenden der Dirigierklassen als Übungsklangkörper zu Verfügung. Die Berufsmusiker verschaffen den Nachwuchsdirigenten die Möglichkeit, sich unter professionellen Bedingungen zu erproben und zu qualifizieren. Ein weiteres zentrales Ausbildungsmodul ist zum anderen das Instrumentenforum. Im Rahmen von sechs bis acht Diensten pro Spielzeit werden Studierende direkt in die Proben des Orchesters eingebunden. Wovon umgekehrt auch wiederum das Orchester nutznießt: Dank der jungen Instrumentalisten kann künftig bei Personalausfällen kurzfristig Ersatz engagiert werden. Ergänzt wird dieses Portfolio um eine weitere Aufgabe, die bisher nicht Bestandteil der Zusammenarbeit war: Das Symphonische Orchester des Landestheaters wird – neben der Nordwestdeutschen Philharmonie und dem Detmolder Kammerorchester – Instrumental- und Gesangssolisten, die ihr Konzertexamen mit Bestnote abgeschlossen haben, verlässlicher Partner bei "Absolventenkonzerten" sein. "Es ist eine Situation, von der alle profitieren", sagt Metzger. Das Theater biete den jungen Sängern und Instrumentalisten einen geschützten Raum, in dem sie ohne den ganz großen Druck schon mal Bühnenluft atmen können. "Sie können dort in professionelle Abläufe schauen und wichtige Referenzen erwerben", ergänzt Grosse. Dazu gibt es Einblicke in den normalen Aufführungsbetrieb und den fordernden Arbeitsalltag eines Berufsmusikers, der nicht nur aus Partienstudium oder Proben, sondern auch aus ganz praktischen Dingen wie Lebensführung und Terminplanung besteht. Gleichermaßen wird auch das Theaterleben befruchtet und es entsteht Raum für künstlerische Begegnung und Austausch. Nicht nur, dass sie etwa den Ausbildungsmarkt und das Niveau der Absolventen aus erster Hand sondieren könnten, freut Dörr und Metzger. Oder dass das Theaterorchester sein Repertoire außerhalb der Opern- und Operettenliteratur erweitere. Gerade auch die "erfrischenden Begegnungen" mit den jungen Leuten sind es, die die beiden als bereichernd empfinden: Deren Spielfreude und Spontaneität wirkten ansteckend, stellen sie einhellig fest.
