1. Gärtnern wie vor 12.000 Jahren

    Weerth-Schüler legen Steinzeitgarten am Landesmuseum an

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    Detmold (ab). Anfang Juli eröffnet im Lippischen Landesmuseum die die große Archäologische Landesausstellung "REVOLUTION jungSTEINZEIT". Schüler der Weerth-Schule haben schon jetzt einen Steinzeitgarten angelegt, wo sie die ersten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte anbauen und pflegen.

    Drei Hochbeete wurden dafür an der Ameide angelegt. Die acht Schüler sind OGS-Kinder der 2. bis 4. Klassen. Um die Ausstellung möglichst breit anzulegen, sollen Schulen mit einbezogen werden. Die OGS der Weerth-Schule kooperiert seit über 10 Jahren mit dem Landesmuseum. Gemeinsam mit Museumspädagogin Melanie Delker-Hornemann haben die Kinder Erbsen, Linsen, Mohn und Lein gesät. Der wurde in der Jungsteinzeit erstmals auch zur Textilherstellung verwendet. Im nächsten Beet gedeihen wilde Kräuter wie Sauerampfer oder Spitzwegerich, der in der Steinzeit genutzt wurde, um offene Wunden zu behandeln. Auch Erdbeeren haben die Kinder angebaut. Wöchentlich sind sie für einige Stunden im Landesmuseum, um Unkraut zu jäten und zu wässern. Bis Ende Februar, so lange wird die neue Ausstellung zu sehen sein, soll die regelmäßige Pflanzenpflege stattfinden. Auf Infotafeln gibt es Wissenswertes zu den Pflanzen zu lesen. Acht verschiedene Nutzpflanzen haben die Steinzeitmenschen kultiviert. Heutzutage werden 81 Kulturpflanzen auf deutschen Äckern, Beeten und Gewächshäusern. Auch Gerste, Einkorn und Emmer haben die Kinder eingesät. Mit diesen Getreidesorten wurde schon vor 7.000 Jahren Brot gebacken. "Die Ernährung kippt seither", meint Ausstellungskurator Simon Matzerath. Vorher war der Mensch Jäger und Sammler, ernährte sich von Früchten und Fleisch. Getreide bedeutet mehr Zucker in der Nahrung und damit "Karies in großem Stil"– eine erste Zivilisationskrankheit – so Matzerath weiter. Überhaupt sei die Jungsteinzeit, auf schlau "Neolithikum" genannt, die Epoche der grundlegendsten Veränderungen der Menschheitsgeschichte, erklärt Museumsdirektor Dr. Michael Zelle. Vor 12.000 Jahren, mit dem Ende der letzten Eiszeit, wurden soziale Strukturen ausgeprägt, Hierarchien entstanden, und die Menschen wurden sesshaft. Die Landesausstellung ist eine Leistungsschau der Westfälischen Archäologie; sie zeigt, was die Forschung in den vergangenen fünf Jahren herausgefunden hat. Zum ersten Mal überhaupt macht eine Landesausstellung Station in Detmold. Und ist damit gleich auch die größte Ausstellung seit sieben Jahren im Landesmuseum. Allein 11 LKW-Ladungen an Mobiliar wurden vom LVR-Landesmuseum Bonn, wo sie zuvor zu sehen war, nach Detmold transportiert. Die Ausstellung stellt Bezüge zu heutigen Themen her. Heute spreche man von Parallelgesellschaften, früher prägte der Unterschied zwischen Sesshaften und Nomaden das Zusammenleben der Menschen. Mit der Sesshaftigkeit, dem Ackerbau und der Viehhaltung gingen seither Veränderungen der Umwelt einher. In einem zweiten Teil werden die Methoden der Forschung dargestellt. Etwa wie die Archäobotanik die Pflanzenwelt vergangener Zeiten erforscht. Hier werden winzige Pollenkörner untersucht, Samen und Hölzer. Auf diese Weise kann die Wissenschaft Aussagen über die Vegetationsgeschichte machen und die Geschichte der Nahrungs- und Nutzpflanzen rekonstruieren. "Revolution Jungsteinzeit"
ab 2. Juli Die Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen mit dem Titel "REVOLUTION jungSTEINZEIT" zeigt vom 2. Juli bis zum 26. Februar auf 800 Quadratmetern rund 1.500 Funde von den Dinosauriern bis zum Zweiten Weltkrieg. Ein Programm mit 15 Sonderveranstaltungen – Mitmachprogramme, Vorträge, Diskussionen – startet Ende August. Außerdem wird es Führungen für Kinder und Erwachsene geben. Morgen freier Eintritt Morgen ist der Eintritt ins Landesmuseum anlässlich des Internationalen Museumstags frei. Einen Vorgeschmack auf Ausstellung gibt bietet die Führung "Steinzeit. Eine Revolution?". Sie startet jeweils um 13 und um 15 Uhr. "Let´s Jazz" heißt es ab 14 Uhr. Das Weimarer Jazz-Trio von Bernhard Auge sorgt für beste Unterhaltung. Das Angebot wird ermöglicht durch die Unterstützung durch die Lippische Museumsgesellschaft.

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