Schieder (lig). Erstmalig hatte die Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg Bürger und Flüchtlinge zu einem Begegnungsfest eingeladen. Und bereits jetzt steht fest, dass es im Sommer eine Wiederholung - vielleicht unter freiem Himmel - geben soll, denn die Organisatoren freuten sich sehr über den Verlauf. 15 Nationalitäten tummelten sich unter dem Dach des Rathauses Schieder beim Begegnungsfest.
"Ich hatte den Eindruck, dass hier wirklich Begegnung geschehen ist. Auch viele der deutschen Teilnehmer blieben recht lange und haben sich mit den Flüchtlingen unterhalten", erzählte Dr. Claudia Theis erfreut nach dem Fest. Zuvor hatte sie noch betont, dass an diesem Tag mal nur positive Erlebnisse eine Rolle spielen sollten und das Kennenlernen im Vordergrund steht. Da wusste sie noch nicht, ob es gelingen wird. Zu Beginn musizierte Theo Wedding mit den Gästen und ließ Lieder wie "viel Glück und viel Segen" erklingen. Waren hier sicherlich noch Sprachbarrieren beim Mitsingen, so ging ein fröhliches "La, la, la" dann schon kurzerhand aus unterschiedlich nationaler Kehle und die Menschen stimmten mit ein. Im Verlauf des Festes kam es dann zu immer mehr Kommunikation. Gemeinsam wurden zubereitete Speisen verzehrt und es wurden Tänze aus verschiedenen Kulturen vorgeführt, sodass jeder Einblicke in die Kultur des Anderen bekam. Es gab eine deutsch-arabische Lesung über eine Kindheit in Damaskus, Tänze von albanischen und syrischen Männer sowie Volkstänze aus Deutschland. Außerdem gab es Kinderschminken für die Kleinsten. Rund 200 Flüchtlinge leben derzeit im Stadtgebiet, die von rund 90 Personen ehrenamtlich unterstützt werden. "Da manche von den Helferinnen und Helfern gerade in der Anfangsphase sich wirklich sehr stark eingebracht haben, gibt es natürlich Ermüdungserscheinungen. Inzwischen haben wir sogar eine Beratung für solche Probleme. Aber wir lernen auch immer dazu und machen die Erfahrung, dass die Selbständigkeit der Flüchtlinge wächst und wir uns um einiges nicht mehr so engmaschig kümmern müssen", erklärt Theis auf Nachfrage. "Die Helfer-Teams haben ihre eigenen Aufgaben und funktionieren sehr gut und selbständig, sei es der Fahrdienst, die Menschen, die sich um die Verwaltung und Organisation rund um die Turnhalle (Verkauf von Wohnungsbedarf) kümmern, das Team des Sprach-Cafés, die Gruppe für Möbeltransporte, die Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit und Internetpräsenz, und natürlich die Kontaktgruppe, die als Paten der Flüchtlinge bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten fungieren", führt sie aus. "Ja, ich würde sagen, der Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen bereichert das eigene Leben und man bekommt eine ungeheure Dankbarkeit zurück. Natürlich tauchen auch immer wieder neue Problemstellungen auf, manchmal auch weniger schöne Erlebnisse, aber wir haben bislang eigentlich immer Lösungen gefunden", erzählt sie. Eine Überraschung hatte dann noch der Bürgermeister der Stadt Schieder-Schwalenberg, Jörg Bierwirth, im Gepäck. Denn er überreichte der Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg die Friedenstaube als Dank für die ehrenamtlich geleistete Arbeit. Zum 60. Geburtstag der Erklärung der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen hat der Aktionskünstler Richard Hillinger 30 Tauben geschaffen. Jede Taube steht für einen der 30 Menschenrechtsartikel. Die Tauben werden an Personen und Institutionen weitergegeben, die die sich für die Menschenrechte einsetzen. Empfänger einer dieser Tauben waren zum Beispiel Papst Benedikt XVI., der Dalai Lama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Der Tisch und die Flüchtlingshilfe haben einen riesigen Anteil zur Bewältigung der Herausforderungen, vor denen Schieder-Schwalenberg in der Flüchtlingsfrage steht, geleistet. Dazu gehört es auch, der nüchtern und leider oftmals auf beschämendem Niveau geführten Flüchtlingsdiskussion ein menschliches Gesicht zu geben. Über einen Flüchtling, der ein Gesicht und einen Namen hat, denke ich ganz anders, als über anonyme Flüchtlinge, wie sie im vergangenen Jahr 200 Mal nach Schieder-Schwalenberg gekommen sind", erläuterte Bierwirth in seiner Dankesrede. Für Bierwirth symbolisiert die Taube nicht nur die Menschenrechte und den Frieden, sondern mit dem Olivenzweig in ihrem Schnabel auch die Zukunft und Hoffnung, was letztlich auch ein schönes Bild für die nun anstehende Integrationsarbeit sei, die vor uns liege. "Denn ich erwarte, dass unsere neuen Mitbürger sich hier integrieren. Dann sollen sie hier ihre neue Heimat finden und sich wohlfühlen. Egal welcher Hautfarbe, egal welcher Herkunft, egal welchen Glaubens sie sind!"
