1. Entscheidender Schuss im Hagel

    Oberst Gerd Baumann ist zugleich der neue Schützenkönig in Nienhagen

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    Leopoldshöhe-Nienhagen (kd). Als äußerst widerspenstig erwies sich der hölzerne Vogel beim Schützenfest in Nienhagen. Erst beim 244. Schuss ging er zu Boden, nachdem die Schützen viel Ausdauer und Entschlossenheit bewiesen hatten.

    Traditionell hatte das scheidende Thronhaus das Privileg, die ersten Schüsse abzugeben. Königin Susanne Fuhrmann trat als Erste an das fest installierte Kleinkalibergewehr, gefolgt von König Rüdiger Fuhrmann, dem Kronprinzenpaar Elke und Reinhard Jorzcik und dem Thronadjutanten Albrecht Zurheide. Schon bei den anfänglichen Treffern "staubte" es ein wenig, wie Rolf Leymann und Klaus-Dieter Kornett von der Schießaufsicht feststellten. Doch Wirkung erzielte erst Marion Knappe. Bereits mit dem 13. Schuss brachte sie die Krone zu Fall, wie sie zur eigenen Überraschung erkennen musste. "Was habe ich denn jetzt gemacht?", rief sie erschreckt aus. Im Schützenverein Nienhagen und Umgebung ist es Ehrensache, dass sich sämtliche Mitglieder, selbstverständlich auch die weiblichen, am Schießen beteiligen. Einzige Bedingung ist das Tragen der Uniform. Im ersten Durchgang traten insgesamt 112 Schützen – mit durchaus unterschiedlichen Ambitionen an das Gewehr. Einige konfrontierten die Aufsicht mit der Frage: "Wo muss ich denn hinschießen , damit ich nicht treffe?" Andere wiederum zeigten deutlichen Ehrgeiz, zum Beispiel mit den Worten "Jetzt lasst doch mal einen richtigen Schützen ran." Umso größer war dann die Enttäuschung, wenn sich das gewünschte Ergebnis nicht einstellte. Als hilfreich erwies sich das elektronische Zielfernrohr, das eine schnelle Orientierung erlaubte. Das Zielen über Kimm und Korn gehört der Vergangenheit an. "Man sieht einen roten Punkt, der muss mitten in dem goldenen Kranz stehen", erläuterte Rolf Leymann ein ums andere Mal den Schützenbrüdern und –schwestern. In dem grün-weißen, kleinen Zelt waren sie vor den Wettereinflüssen gut geschützt. Den vorherigen Unterstand hatte eine starke Windböe zerfetzt. Nachdem die Krone gefallen war, hielten nun alle Kandidaten auf den Reichsapfel in der rechten Klaue des Adlers. Es dauerte noch eine Dreiviertel Stunde, bis sich Pascale Baumann die Trophäe mit dem insgesamt 65. Schuss sicherte. Eine halbe Stunde später schaffte es dann Florian Schlauske mit dem 95. Schuss, auch das Zepter vom Adler zu trennen. Danach entwickelte der Vogel auf seiner Stange eine heftige Beharrlichkeit. Er wehrte sich nach Kräften. Gezielte Schüsse auf die Befestigung oder auf die Brust des hölzernen Tieres zeigten zunächst keine Wirkung. So intensiv die Beobachter auch nach oben auf den Schießstand blickten, es war keinerlei Reaktion erkennbar. Erst nach mehr als 200 Schüssen mit den Kleinkaliberpatronen 22 LFB wankte der Adler ein wenig. Oberst Gerd Baumann hatte das Geschehen schon die ganze Zeit mit geübtem Blick verfolgt. Mitten in einem heftigen Hagelschauer setzte er mit großer Entschlossenheit auf den entscheidenden Vorstoß an. Mit dem 244. Schuss kippte der Adler langsam nach vorn und fiel allmählich von seinem hohen Sockel nieder. Gerd Baumann wirkte erleichtert. "Man zweifelt manchmal schon an seinen Fähigkeiten", meinte der erfahrene Schütze in einer ersten Reaktion. "Jetzt hat es doch noch geklappt, Gott sei Dank." Drei Böllerschüsse signalisierten das Ende des Wettbewerbs. Anschließend wurde er im Festzelt für die nächsten zwei Jahre zum neuen König der Nienhagener Schützen ausgerufen. An seiner Seite wird seine Lebensgefährtin Sabine Burstaedt regieren. Ehrendamen sind Monika Schlauske und Susanne Kleß. Florian und Vanessa Schlauske bilden das Prinzenpaar. Ihre Ehrendame ist Vanessa Kleß. Die Rolle des Thronadjutanten fällt Pascale Baumann zu. "Piraten entern Nienhagen" diesem Aufruf kamen am Freitagabend mehr als 250 Besucher in teilweise tollen Kostümen nach, um den Beginn des Schützenfestes mit den "Kliffkiekern" aus Herford zu feiern. Frontmann Thomas Wöhler und seiner Mannschaft gelang es von Anfang an für eine tolle Stimmung zu sorgen und luden bei jedem Lied zum Klatschen und Mitschunkeln ein. Wer geglaubt hat das nur klassische Seemannslieder zum Besten gegeben wurden, wurde schnell eines Besseren belehrt. So trat unter anderem Udo Lindenberg in Form des Chorleiters Dirk Martin auf und es wurde kräftig gerockt. Spätestens bei "Westerland" von den Ärzten hielt es niemand mehr auf den Sitzen.

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