Detmold (ab). Das Bildungshaus Weerth-Schule ist auf den Hund gekommen – in bestem Sinne. Ein Vierbeiner hilft hier Kindern, ihren Wortschatz weiterzuentwickeln. Klingt komisch? Keineswegs!
Zugegeben, Hündin "Bailey" besucht die Schule natürlich nicht allein. Sie gehört zu Jennifer Leyendecker. Die Klinische Linguistin und selbständige Logopädin hat ein Konzept zur Sprachförderung entwickelt, mit dem Kinder in kleinen Gruppen gleichsam spielerisch Defizite abbauen. Dabei geht es häufig bloß um Kleinigkeiten wie Artikulationsprobleme. So verwechseln einige Kinder beim Sprechen beispielsweise "T" und "K". In Übungen, wo sie passende Reime finden müssen, wird den Kindern schnell bewusst, dass "Kanne" und "Tanne" zwei sehr verschiedene Dinge sind. Auch der Wortschatz wird erweitert. So müssen die Kinder beispielsweise anhand von Exemplaren aus Stoff Obst- und Gemüsesorten benennen. Wenn sie die richtigen Vokabeln beherrschen, kommt "Bailey" ins Spiel. Auf Ansage der Kinder bringt sie Tomate, Aubergine oder Banane. Die Kinder lernen auch zählen mit "Bailey". Für jede Zahl schlagen sie mit ihr ein – von Hand zu Pfote. Komplizierter sind Übungen zur sogenannten auditiven Aufmerksamkeit. Jennifer Leyendecker erzählt dabei eine Geschichte über "Bailey"– zum Beispiel wie die Hündin morgens aufwacht, was sie dann tut und wie ihr Tag verläuft. "Bailey" macht die Tätigkeiten dann beispielhaft vor. Danach bekommen die Kinder Fragen gestellt. "Die Kinder merken sich Einzelheiten besser, wenn der Hund dabei ist", erklärt Leyendecker. Durch ihre Berichte lernen die Kinder auch gleich die verschiedenen Zeitformen kennen. Ihr Konzept sei nicht neu, berichtet Jennifer Leyendecker, die in Bielefeld und Toronto (Kananda) Klinische Linguistik studiert hat. Auch an einer Bielefelder Schule hat sie es schon erfolgreich durchgeführt. Gemeinsam mit "Bailey" wird behandelt sie auch Wachkomapatienten und ist in der Autismustherapie tätig. An dem Projekt in der Weerth-Schule nehmen Kinder teil, die sonst keinen Anspruch (per Krankenschein) auf solche Sprachförderung hätten. Eigentlich sei das nur für Kinder mit Behinderung vorgesehen, erläutert Schulleiterin Iris Hansmann. Auftraggeber ist in diesem Fall aber der Förderverein der Schule, so könne man auch für die sogenannten Regelkinder und Kinder von Geflüchteten einbeziehen. Vom Land gebe es nur die "Standardversorgung", "unsere Ansprüche sind aber höher", so Hansmann. Bei der Finanzierung hilft der "Inner Wheel Club" Detmold-Blomberg. Die Frauen-Service-Organisation hat sich die Unterstützung von Frauen und Kindern auf die Fahnen geschrieben. "Sprachförderung ist uns ein besonderes Anliegen", erklärt Clubpräsidentin Ursula Terfloth, die gemeinsam mit ihren Vorstandskolleginnen Ulla Thomas und Katrin Paas kürzlich eine Übungsstunde in der Weerth-Schule Standort Richthofenstraße besucht hat. Derzeit sind acht Kinder in der Förderung, drei Unterrichtsstunden pro Woche sind dafür reserviert. "Frau Leyendecker gibt uns auch tolle Tipps für die Weiterarbeit", freut sich Iris Hansmann. Im kommenden Schuljahr wolle man das Projekt am anderen Standort an der Siegfriedstraße anbieten.
