1. Große Musik in kleiner Besetzung

    Meisterkonzert mit François Leleux (Oboe) und Emmanuel Strosser (Klavier)

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    Detmold (pg). Ein aufgeklappter Konzertflügel und ein überquellender Notenständer, einsam auf der großen Bühne des Detmolder Konzerthauses. Dieses schlichte Stillleben vor Konzertbeginn sollte sich bald in eine begeisternde und brodelnde musische Energiequelle verwandeln, zu einer Art Oboengala mutieren, als der Münchener "Weltoboist" François Leleux das Podium betrat, gefolgt von seinem nicht minder berühmten pianistischen Begleiter Emmanuel Strosser, der Klavier am Pariser Konservatorium lehrt. Leleux begann seine Oboistenkarriere bereits mit 18 Jahren in Paris, wurde vier Jahre später Solooboist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und unterrichtet heute als Oboenprofessor an der Münchener Musikhochschule.

    Romantische und zeitgenössische Kompositionen für Oboe und Klavier standen auf dem Programm bei diesem Kammerkonzert, aber, sozusagen kompositionsübergreifend, gab es musikalische Ausdrucksmittel und Spezifika, die durchgängig bei beiden Musikern zu erkennen waren. Leleux beispielsweise zeigte bereits beim ersten Werk des Abends, der bezaubernden Oboensonate op. 166 von Camille Saint-Saëns, dass er faszinieren kann durch eine warme Tongebung, aber auch bis hin zu burlesken Färbungen, verbunden mit der ausgeprägten Fähigkeit und Freude, metrisch und dynamisch höchst bewegend zu gestalten – stellenweise bis an die Grenzen der instrumentalen Möglichkeiten und unter "schlangenbeschwörenden" Bewegungen seines gesamten Körpers. Besonders zarte Ein- und Ausschwingvorgänge bestimmter Töne begann oder beendete Leleux zuweilen in einem derart extremen Pianissimo, dass der aufmerksame Zuhörer ein leises Rauschen dabei vernehmen konnte (ähnlich der Klarinetten-Anblastechnik). Neu für die meisten der nahezu vollzählig vertretenen jungen Oboistinnen und Oboisten der Detmolder Oboenklasse (Prof. Kiss) war sicherlich auch Leleux besondere Technik, seine hin und wieder auftretenden "Wasserprobleme" (Feuchtigkeit in bestimmten Klappen) durch ein absolut geräuschloses Saugen zu beheben. Strosser agierte und reagierte auf diesen agilen, brillanten Variantenreichtum seines Oboisten derart sensibel und professionell, dass der Zuhörer häufig den Eindruck einer totalen Verschmelzung von Oboe und Klavier gewinnen konnte. Die Leichtigkeit, mit der Leleux und Strosser auch technisch hochbrisante und grenzwertige Passagen meisterten, ließ technische Perfektion an keiner Stelle als eigenständiges Ausdrucksmittel in den Vordergrund treten, sondern teilte ihr den Rang einer selbstverständlichen Voraussetzung zu. Charakteristische Beispiele einer solchen "leicht servierten Vitalität" boten hier das rasante "très vif" aus der Sonate von Thierry Pécou und "Duo Concertante" von Antal Doráti mit seinem spritzigen "Rede-Gegenrede–Spiel" zwischen Oboe und Klavier, das bis zu seinem feurigen Abschluss die instrumentalen Möglichkeiten beider Instrumente nahezu voll ausschöpfte. Obwohl der Konzertabend mit all seinen Entdeckungen und Superlativen insgesamt sicherlich als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden konnte, ragten hier zwei Werke als Highlights der ersten Konzerthälfte in besonderer Weise hervor. Mit wunderbaren Themen, bezaubernd gesanglich und weich von Leleux geblasen, eröffnete eine "Elegie" die begeisternde Oboensonate von Francis Poulence, gefolgt von einem gutgelaunten "Scherzo", das sich in seiner Grundempfindung auch in der Körpersprache des Solisten widerspiegelte, ausklingend mit wunderbaren Elegien, die Leleux in intensivstem Espressivo vortrug. Welch enorme Breite der Gefühlsregungen lässt sich auf einer qualifiziert geblasenen Orchesteroboe doch ausdrücken: Liebe, Schmerz, Dankbarkeit, Übermut ...! Robert Schumanns As-Dur–Sonate op. 70 bildete den grandiosen Abschluss vor der Konzertpause und wurde in ihren ausdrucksstarken Melismen, lockeren Staccato-Passagen, ihrer Anmut und Schönheit von Leleux und Strosser in derartig beeindruckender tonlicher und gestalterischer Vollkommenheit musiziert, dass vor dem Applaus zunächst erst eine Art Reflexionspause im Publikum eintrat. Für die intensiven Ovationen zum Schluss des Konzertes bedankten sich die Musiker mit der bekannten Pavane von Ravel bei den begeisterten Zuhörern.

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