Lemgo (nr). Ihre Plakate waren in der Mittelstraße nicht zu übersehen. Rund 25 Menschen mit Handicap haben am Dienstag in der Fußgängerzone für mehr Barrierefreiheit demonstriert. Durch die zeitgleiche Kundgebung der IG Metaller auf dem Marktplatz musste die Arbeitsgruppe "Leichte Sprache und Politik" zwar auf den Platz vor der Sparkasse ausweichen, hatte sich aber einiges einfallen lassen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
"Wir schreien laut ‚hurra, hurra’, denn Barrierefreiheit ist bald da" oder "1,2,3 – barrierefrei" prangte auf großen, bunten Buchstaben auf den Plakaten. "Wir wollen auf die Barrieren aufmerksam machen, die es in Lemgo noch gibt", sagte August Buskies, der die Gruppe "Leichte Sprache und Politik" ins Leben gerufen hat. "Es ist zwar schön, dass es behindertengerechte Toiletten im Rathaus gibt, aber es gibt keinen behindertengerechten Zugang, nur viele, viele Treppen", fügt er lachend hinzu. Seine Mitstreiter geben ihm Recht. In Lemgo seien zwar schon ein paar Barrieren gefallen, aber immer noch viel zu viele, die Menschen mit Handicap einschränken würden. Genau das wollen die Teilnehmer der Aktion weitergeben. Nur Plakate in der Luft schwenken reichte den Akteuren aber nicht. Sie animierten die Passanten, sich auf Papier Gedanken zu machen, wo vielleicht in Lemgo noch offensichtliche, aber auch versteckte Barrieren sein könnten. Diese Zettel wurden dann an eine "Barriere" aus aufeinandergestapelten Kartons geklebt. "Uns ist zum Beispiel nicht klar", so August Buskies, " warum man bei den Umbaumaßnahmen in der Mittelstraße die Blindenleitstreifen außer Acht lässt, wenn die vielleicht 2020 in Fußgängerzonen zur Pflicht werden sollen." Die Aktion von Teilnehmern der Lebenshilfe und des Werkstattrates der Stiftung Eben-Ezer war eingebunden in den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai. "Ich bin jedenfalls sehr stolz auf das Engagement meiner Gruppe" betonte August Buskies, bevor einer der "Rollifahrer" symbolisch den aufgetürmten Kartonberg durchfuhr und so die erste "Barriere" zum Einsturz brachte.
