Lemgo (nr). Die Landung hat punktgenau geklappt. Zum Jahresempfang der Stiftung Eben-Ezer konnte Ende April der Erweiterungsbau zum Werkstattgebäude "eeWerk" eingeweiht werden. Gratulanten aus Politik und Wirtschaft ließen es sich neben fast 250 Gästen nicht nehmen, persönlich zu gratulieren und einen Blick in die Zukunft von Arbeit und Integration zu wagen.
Das 1.250 Quadratmeter große und 1,5 Millionen teure Gebäude wird Arbeitsplatz für 80 behinderte Menschen und rund 20 assistierende Mitarbeiter der Stiftung. 25 Arbeits- und Pflegebereiche sind speziell für Menschen mit höchsten Unterstützungsbedürfnissen eingerichtet worden. Der Erweiterungsbau ist der guten Auftragslage im Tischlerei- und Metallgewerbe geschuldet, wie Udo Zippel vom Vorstand der Stiftung erklärte: "Anfragen und Aufträge haben innerhalb der Gewerke zu ständigem Stühlerücken geführt. Wir konnten keine passenden Mietobjekte finden und so hat sich die Stiftung zu der Eigenfinanzierung des Erweiterungsbaus auf dem Gelände von Neu-Eben-Ezer entschlossen." Hier sei der unschätzbare Vorteil, dass bereits Sozialräume vorhanden und die Wege zum Arbeitsplatz kurz seien. "Wir werden hier aber trotz Nähe zur Arbeitsstelle die letzte "Puschenwerkstatt" auflösen", betonte Pastor Dr. Bartolt Haase, theologischer Vorstand der Stiftung. "Das Modell, behinderten Menschen Arbeitsplätze anzubieten, ohne dass sie die Wohnbereiche mit Straßenschuhen verlassen müssen, ist in Zeiten von Inklusion längst veraltet." Inzwischen habe auch bei Menschen mit Behinderungen die Routine in der Arbeitswelt Einzug gehalten. Außergewöhnlich bleiben da die speziell ausgestatteten Pflegebäder mit Liftanlagen im Bereich höchster pflegerischer Ansprüche, die andere Werkstätten für Schwerst- oder Mehrfachbehinderte so nicht bieten können. Dazu kommen Ruhe- und Snoezelenräume. "Ein neues Werkstattgebäude war schon vor fünf Jahren ein Thema", erklärte Werkstattrat Rolf Schmidt. "Damals gab es noch Platz, aber die steigende Auftragslage forderte neue Maschinen, für die natürlich mehr Platz benötigt wird." Das neue Gebäude wird allerdings keine neuen Arbeitsplätze schaffen", formulierte es Werkstattleiter Markus Toepffer. "Es wird vorerst noch bei insgesamt 550 Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen bleiben. Die Auftragslage ist allerdings zurzeit sehr gut. Vor allem im Holz verarbeitenden Bereich." Erst vor kurzem sei ein Esstisch aus Baubuche entwickelt worden, der ins italienische Lucca gehen wird. Der Erweiterungsbau bedeutet mehr Platz vor allem für Holz- und Metallbau, allerdings wird der geplante Umzug der Metaller in die Zweigwerkstatt nach Lieme erst im Sommer erfolgen. Der Umzug bringt viel Bewegung mit. Rund 100 Menschen mit und ohne Behinderungen müssen den Arbeitsplatz wechseln. Da das für viele eine große Verunsicherung bedeutet, wird sich der Umzug bis 2017 hinziehen. Die Ausblicke in die Zukunft nahmen dann Landrat Dr. Axel Lehmann und Vizepräsident der IHK Lippe zu Detmold Horst Selbach zur Jahresfeier in Angriff. So stand das Thema "Arbeitsplatz" im Fokus der Redner. Inklusion bedeute, Arbeitsplätze für Behinderte auch auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Vorurteile würden aber immer noch verhindern, dass bestehende Kapazitäten voll ausgeschöpft und Menschen mit Behinderungen immer noch ins Abseits gedrängt würden. Dabei bräuchten auch sie für ein selbstbestimmtes Leben einen festen Arbeitsplatz.
