Detmold . Im LWL-Freilichtmuseum wurde ein besonderes Gebäude eröffnet. Seit Montag wohnen die ersten "Museumsschläfer" auf dem Hof Remberg im Sauerländer Dorf. Bei diesem museumspädagogischen Projekt können fortan Schulklassen für mehrere Tage im Museum wohnen und so die historischen Arbeitsfelder und den dortigen Alltag intensiv kennenlernen. "Die Schulklassen können Geschichte direkt erfahren", erklärte Michael Pavlicic, stellvertretender Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung bei der Eröffnung am Freitag. Im Gegensatz zum Frontalunterricht im Klassenraum bekämen sie im Hof Remberg die Chance, Erfahrungen mit allen Sinnen zu machen, neue Bewegungsabläufe und Fähigkeiten zu erlernen. Hof Remberg zeigt historischen Wandel Das repräsentative, spätklassizistisch gestaltete Wohnhaus von 1877 aus Finnentrop-Fretter im Kreis Olpe wurde 2003 in das LWL-Freilichtmuseum Detmold transloziert: 200 Tonnen Gewicht und rund 2.000 Kubikmeter umbauter Raum wurden in neun Baublöcke aufgeteilt. Tieflader transportierten die Teile nach Detmold. Mit dem Wiederaufbau im Museum wurde 2011 begonnen. An das Wohnhaus schloss sich ehemals rechtwinklig ein Wirtschaftsflügel mit Querdiele, Stallungen und Heulager an, der 1878 errichtet und in den 1970er Jahren abgebrochen wurde. Für damalige Verhältnisse war der Hof Remberg ein überaus moderner Bau, der für Aufsehen gesorgt haben dürfte. "Josef Remberg war einer der ersten, der mit dem Neubau eine jahrhundertealte Tradition im bäuerlichen Hausbau brach: Er vollzog die Abkehr vom niederdeutschen Hallenhaus mit Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach und errichtete stattdessen ein nahezu freistehendes Wohnhaus. Alle landwirtschaftlichen Tätigkeiten lagerte er in den Flügelbau und andere freistehende Gebäude aus", berichtete Dr. Hubertus Michels, der Leiter des LWL-Referates Bauwesen. Damit realisierte Remberg für sich und seine Familie ein an bürgerlichen Vorbildern orientiertes Wohnen und brachte gleichzeitig seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf den neuesten technischen Stand. Alltag wie vor 100 Jahren Im rekonstruierten Wirtschaftsflügel sind für die neue museumspädagogische Nutzung vor allem Schlaf-, Sanitär- und Aufenthaltsräume untergebracht. So wird die originale Bausubstanz des Haupthauses geschont. Es werden aber beide Gebäude genutzt, die weitgehend barrierefrei sind. Im großen Dachboden der Ökonomie schlafen die Kinder, Jungs und Mädchen getrennt, mit Isomatte und Schlafsack auf zwei Heuböden. Im Obergeschoss übernachten die Begleitpersonen in sechs Schlafräumen. Moderne Sanitärräume sind im Keller- und Erdgeschoss. Aus dem ehemaligen Kuhstall wurde ein großer Aufenthaltsraum, der auch für Gruppenaktivitäten genutzt werden kann. Bei der Einrichtung wurden moderne, funktionale und strapazierfähige Möbel eingebaut, die sich am Einrichtungszustand der 1920er Jahre orientieren. Den Kindern stehen, neben einer modern ausgestatteten Küche, zudem eine Kochmaschine und ein rekonstruierter Backofen zur Verfügung. So können sich die Klassen einerseits selbst verpflegen, andererseits erleben sie das Kochen und Backen wie früher. Die Expeditionen der Museumsschläfer beginnen mit einem Rundgang im Hof und einer Einführung in das Haus. Der sonstige Tagesablauf richtet sich thematisch nach Interessenslage der jeweiligen Klasse. Anhand beispielhafter Alltagsarbeiten von vor etwa 100 Jahren werden Lebensfertigkeiten vermittelt: Säen und ernten von Gemüse, Marmelade einkochen, Sauerkraut herstellen und andere Konservierungsarten kennenlernen oder waschen wie zu Omas Zeiten sind nur einige Beispiele. "Bei der Arbeit erfahren die Kinder und Jugendlichen, wie der Alltag im vergangenen Jahrhundert aussah. Durch ihre eigenen Erfahrungen beim Waschen oder Kochen können sie die Schwierigkeiten des damaligen Lebens verstehen", berichtete Anna Stein, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Außerdem gibt es verschiedene handwerkliche Workshops wie Körbeflechten, Handarbeiten in der Textilwerkstatt oder Papierschöpfen. Das Projekt "Museumsschläfer – Expedition in die Geschichte" richtet sich an Schulklassen der 3. bis 8. Jahrgangsstufe. Maximal 30 Schüler und 6 Betreuungspersonen können von Mai bis September bis zu vier Tage (jeweils dienstags bis freitags) im Museum bleiben. Die Kosten betragen 20 Euro pro Person und Tag. Weitere Infos dazu haben Gefion Apel ("gefion.apel@lwl.org") und Anna Stein ("anna.stein@lwl.org") unter der Rufnummer (05231) 7060.
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"Museumsschläfer" sind eingezogen
Eröffnung von Hof Remberg im Freilichtmuseum Detmold
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