Augustdorf (cp). Schon bald gehen wieder hunderte Soldaten der Augustdorfer Brigade in den Auslandseinsatz im Kosovo, in Afghanistan und Mali. Für die Soldaten und ihre Familien ist die lange Trennung eine außerordentliche Belastung. Beistand leistet die evangelische Militärkirche vor den Toren der Kaserne: Hier haben Pfarrer Martin Benker und Diplom-Psychologin Christina Peter ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bundeswehrmitarbeiter und ihrer Angehörigen.
"Bitte nicht stören" steht an der Tür, wenn Christina Peter in Augustdorf im Einsatz ist. Seit 2014 erweitert sie das Beratungsangebot der evangelischen Militärkirchengemeinde in psychologischer Hinsicht. Was während der Beratungsstunden besprochen wird, ist vertraulich. Meist sind es ganz alltägliche Probleme, mit denen sich Peter beschäftigt, wenn sich Soldaten und Bundeswehrangehörige, aber auch Eltern der Kindertagesstätte "Stachel-Bär" und andere Augustdorfer an die Psychologin wenden: In der Beziehung kriselt es, die Fernbeziehung ist belastend, der Partner fühlt sich alleingelassen, es gibt Streit bei der Kindererziehung oder Stress im Job, eine Trennung schmerzt. "Vielen tut es einfach gut, mit jemandem darüber zu sprechen,", sagt Christina Peter. Gemeinsam mit den Hilfesuchenden schaut sie, was hinter deren Ängsten steht und sucht nach individuellen Lösungen. "Soldaten wirken wie harte Kerle, aber sie sind auch nur Menschen", sagt der Militärpfarrer. Und sie sind in ihrem Beruf besonderen Herausforderungen ausgesetzt, die Wunden auf der Seele hinterlassen können: Unter den Menschen, die sich an die Militärseelsorge oder die psycholoigische Beratung wenden, sind auch Soldaten und Bundeswehrmitarbeiter, die in ihren Auslandseinsätzen Gewalt, Verwundung, Tod erlebt oder der Bedrohung des eigenen Lebens erlebt ausgesetzt waren und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt haben. "Wenn ein Soldat selbst merkt, mit mir stimmt etwas nicht, dann ermutigen wir ihn, zu den Truppenpsychologen in der Kaserne zu gehen", betont Martin Benker. "Wir bieten nur ein flankierendes Angebot." Vielfach sind es aber zunächst Lebenspartner oder Eltern, die bei Christina Peter Unterstützung suchen, denn für Betroffene und ihre Angehörigen bedeuten diese Traumata und ihre Folgen eine enorme Belastung. "Oft ist das Leben der gesamten Familie betroffen", weiß die Psychologin. Im Rahmen des Seelsorgeprojektes der Evangelischen Kirche in Deutschland bietet die Militärkirchengemeinde daher seit 2014 Familienwochen an, bei denen Familien die Möglichkeit haben, über die Krankheit ins Gespräch zu kommen, wieder zusammenzuwachsen und Vertrauen zu fassen. "Wir bieten dort eine Auszeit vom Alltag und den Austausch mit Gleichbetroffenen", erläutert Benker. Die diesjährige Maßnahme findet in Zusammenarbeit mit dem "Institut für soziales Lernen mit Tieren" statt –"die Arbeit mit Tieren kann eine große Hilfe sein". Aus einer solchen Familienwoche ist 2015 auch eine Austauschrunde entstanden: Unter fachkundiger Anleitung von Christina Peter sprechen Betroffene und ihre Partner über ihren Alltag und die Probleme, die die PTBS für die Gesundheit und die Beziehung mit sich bringen kann. Darüber hinaus bieten der Militärpfarrer und die Psychologin Wochenenden für Angehörige von Soldaten an, die im Auslandseinsatz sind. Christina Peters Beratungsangebot richtet sich an jeden, der Fragen oder Anliegen zu den Themen Partnerschaft, Familie, Beruf oder anderen Sorgen und Ängsten hat – unabhängig von Konfession oder Gemeindezugehörigkeit. Kostenlose Gesprächstermine können telefonisch unter 0151-6144 0677 oder per E-Mail an "beratung@militaerkirche-augustdorf.de" vereinbart werden. Auch Militärpfarrer Martin Benker steht als Seelsorger für Gespräche zur Verfügung.
