Detmold (bc). Was ist eigentlich ein Werkstattkonzert? Ein Konzert an einem besonderen Ort oder eine Art Probenkonzert? Im Fall des Werkstattkonzertes des Detmolder Kammerorchesters (DKO) kann es leicht beantwortet werden: Es ist beides. Denn im Probenraum am Schubertplatz fand dieses kleine feine Kaffeehausmusik-Konzert statt.
Und was bitte ist nun Kaffeehausmusik? Man könnte sagen, sie ist ein Ausdruck für leicht aufnehmbare, sentimentale, sinnliche und oft auch besonders virtuose Musik. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte sich neben dem literarischen auch der musikalische Salon. Er ist Wohnzimmer, Treffpunkt, Kulturbörse. Man tauscht sich aus, hat unmittelbares Feedback, taucht unter im engsten Kreise umeinander. Und für manchen Künstler ist das Kaffeehaus sogar Werkstatt. Venezia Fröscher-Cifolelli war es ausgesprochen gut gelungen, das besondere Flair eines Wiener Kaffeehauses in den Probenraum des DKO zu bringen: mit ausgesuchten Texten unter anderem von Stefan Zweig und Peter Altenburg, die humorvoll, charmant und mit Augenzwinkern von ihr und Reinhard Deutsch –übrigens ein waschechter Österreicher - vorgetragen wurden, mit kleinen kulinarischen Schmankerln und natürlich mit musikalischem Ohrenschmaus. Auf dem Programm standen virtuose Kabinettstückchen unter anderem von Elgar, Liszt, Verdi und natürlich von Schnitzler, Kreisler und Johann Strauß Schon mit den ersten Tönen, die Wojciech Wieczorek seiner Geige entlockte, begab man sich in einen leichten Schwebezustand. Er meisterte kraftvoll expressiv die Kontraste lyrischer aber auch stärker rhythmischer Themen mit Leichtigkeit, Spielfreude und -witz, stellte sich mit Bravour diesen Herausforderungen. Geboren im niederschlesischem Hirschberg in Polen besuchte Wojciech Wieczorek das Musikgymnasium für Hochbegabte in Posen, wechselte zur Hochschule für Musik und Theater in Hannover und schloss dort seine künstlerische Diplomprüfung ab. Zusätzlich zu seiner künstlerischen Tätigkeit als Vorspieler der 1. Violinen am Landestheater Detmold arbeitet er seit 2005 als Konzertmeister und Dozent beim RIAS-Jugendorchester. Erst im Januar diesen Jahres stellte er sich als Solist beim Abonnementkonzert des DKO dem Publikum vor. An seiner Seite eine kongeniale Begleitung: Mathias Mönius, Klavier. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Forchheim studierte er Dirigieren und Klavier an der Hochschule der Künste in Berlin. Nach Gastengagements in Kapstadt und Toronto wurde er stellvertretender GMD in Eisenach, wechselte später ans Theater Nordhausen. Seit 2012 ist Mathias Mönius Studienleiter mit Dirigierverpflichtung am Landestheater Detmold. Ein kleiner Trost für alle, die jetzt meinen, etwas verpasst zu haben: Die Nachfrage nach diesem Kaffeehaus-Konzert war so groß, dass aufgrund des begrenzten Platzkontingents nicht alle Besuchswünsche erfüllt werden konnten. So wird es ein Zusatzkonzert geben und zwar am Donnerstag, 2. Juni, Beginn 18.30 Uhr im DKO-Probenraum. Um vorherige Anmeldung für die Gästeliste unter der Rufnummer 05231/31603 oder per E-Mail an "info@detmolder-kammerorchester.de" wird gebeten.
