Lemgo-Brake (nr). Die Weserrenaissance hat ein einzigartiges kulturelles Erbe hinterlassen. Zeugnisse dieser Epoche sind vor allem Schlösser, Adelshöfe, Rathäuser oder sakrale Gebäude in sechs Bundesländern. Dieses Erbe zu bewahren und sowohl wissenschaftliche, als auch kulturelle Arbeiten in diesem Kontext zu fördern, hat sich der neu gegründete Verein "Kulturkreis Weserrenaissance" auf die Fahnen geschrieben.
"Es kann nicht sein, dass wir um eine kulturgeschichtliche und touristisch wertvolle Epoche Jägerzäune ziehen", sagte Joachim von Reden, erster Vorsitzender des Vereins und Besitzer von Schloss und Gut Wendlinghausen. "Diesen Zaun als Inbegriff kleinkarierten Denkens müssen wir einreißen." Dass eine enge Kooperation zwischen privaten und öffentlichen Besitzern einzelner Baudenkmäler aufgrund doch sehr unterschiedlicher Aufstellung nach außen erschwert werde, solle allerdings kein Hindernis darstellen, sondern vielmehr Ansporn sein, neue Perspektiven zu schaffen. Im Juli letzten Jahres in Remeringhausen gegründet (Gründungsmitglieder: Eheleute von Reden, Wendlinghausen; Eheleute von Schöning, Remeringhausen; Graf Adelmann, Schaumburger Landschaft; Familie von Kerssenbrock, Barntrup; Familie von Gosler, Apelern; Freiherr von Hammerstein, Gesmold) und am 22. September in Stadthagen der Öffentlichkeit vorgestellt, hat der Verein bei einem Treffen auf Schloss Brake ganz offiziell die Arbeit aufgenommen. "Es geht um die Bedeutung eines kulturhistorischen Raumes, der stark unterschätzt wird", konstatierte Nicolaus von Schöning, Rittergut Remeringhausen, vor der Diskussionsrunde. "Die Baudenkmäler der Weserrenaissance sind mehr als eine Besonderheit. Man könnte sie als kleine Revolution begreifen." So sei geplant, unter Einbindung des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake das kulturhistorische Erbe der Weserrenaissance länderübergreifend in ein neues Licht zu stellen und dementsprechend langfristig die Bekannheit und die Außendarstellung zu stärken. Geplant sei – unter Beteiligung aller Eigentümer mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake und universitären Forschungseinrichtungen – die Entwicklung eines Konzeptes "Kulturkreis Weserrenaissance" und dessen schrittweise Umsetzung. "Die Straße der Weserrenaissance ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt", so von Reden. "Wirklich bespielt wird sie aber kaum. Das müssen wir ändern." Dabei stehe die Erfassung aller infrage kommenden Gebäude, die digitale Präsentation und Vernetzung und die Entwicklung von Kunst- und Kulinarik-Reiserouten im Fokus. Auch Schulungsprogramme für Städte- und Schlossführer, spezielle Schulprogramme und das Erstellen von Informationstafeln und Kunststätten-Heften trafen innerhalb der Diskussionsrunde auf breite Zustimmung. Annette Paschke-Lehmann, Leiterin Geschäftsbereich Kultur der Stadt Lemgo, machte den Vorschlag, Länder übergreifend den "Tag der Weserrenaissance" auszuloben. Spezielle Angebote teilnehmender Vereinsmitglieden, könnten an so einem Tag viele Interessierte dazu verlocken, Rundfahrten zu ausgewählten Zielen anzugehen. Wie der "Kulturkreis Weserrenaissance" nun genau und vor allem effektiv die Arbeit aufnimmt, stand zum offiziellen Diskussionsende noch nicht fest. Dass die Arbeit in Projektgruppen stattfinden solle, traf jedoch auf volle Zustimmung. "Zuerst einmal werden wir die gemeinsamen Nenner finden und herausarbeiten müssen", sagte von Reden. "Die Vielfältigkeit der unterschiedlichen Ideen sollte gebündelt werden, um den Raum der Weserrenaissance homogener und vor allem für alle Interessierten greifbarer zu machen.
