1. Keine Perspektive in der Heimat

    Jugendliche Flüchtlinge berichten von ihren Erfahrungen

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Horn-Bad Meinberg (gh). Unter dem Titel "Aufgebrochen, angekommen, aufgenommen” haben jungen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die Hilfe suchten und in Horn-Bad Meinberg aufgenommen wurden, vor der vollbesetzten Mensa des Horner Schulzentrums ihre persönliche Flucht-Geschichten erzählt. Initiiert wurde die Talkrunde vom Arbeitskreis gegen Nazis und dem Integrationsbeirat der Stadt Horn-Bad Meinberg.

    Sie hatten die jungen Flüchtlinge motivieren können, in der lockeren Talkrunde mit Matthias Engel und Gerd Detering von ihren Erlebnissen zu berichten. Viele, gerade junge Zuhörer, lauschten Reza, Maher, Mohammed, Ahmad, Nora, Nishmatulah und Mohamed, die mit Hilfe von Dolmetscher Danyal Hikmatullah auf Deutsch über ihr Leben vor der Flucht, die Umstände, die sie zu Flüchtlingen machten, ihren Weg nach Deutschland und schließlich über ihre Erfahrungen und Erwartungen erzählten. Obwohl sie unterschiedlicher Herkunft sind, vereint doch alle ein Grundthema: fehlende Lebensperspektiven in ihrer zerstörten Heimat. Auf unterschiedlichen Wegen sind die 16- und 17-jährigen Jugendlichen aus ihren Heimatländern Afghanistan und Syrien über die Türkei, Mazedonien, Serbien oder auch Bulgarien nach Österreich, von dort nach Deutschland und schließlich nach Horn-Bad Meinberg gelangt. Teilweise zu Fuß, mit dem Boot, später mit dem Bus. Reza, der seit fünf Monaten in Deutschland ist, berichtet: "Meine Eltern sind aus Afghanistan nach Syrien geflüchtet, dort konnte ich nicht zur Schule gehen. Meine Eltern habe ich überredet, dass ich dahin gehen kann, wo ich in eine Schule kommen kann und lernen kann, um einmal Jura zu studieren." Alle sieben möchten Berufe lernen, ob Dolmetscher, Zahnarzt oder Automechaniker. Nora möchte einmal Richterin werden. Sie ist allein aus Syrien gekommen und wohnt erst seit knapp drei Wochen in Horn. Die 16-Jährige erzählte: "Wir sind nicht wegen Geld gekommen. Das hatten wir in unserer Heimat – aber keine Perspektive für ein weiteres Leben und keine Möglichkeiten, zur Schule zu gehen, um einen Beruf zu lernen. Zu unseren Familien haben wir teilweise Kontakt." Das Ziel müsse sein, die neuangekommenen Menschen in unserem Umfeld kennenzulernen, erklärte Matthias Engel. "Sie sollen aufgenommen und unterstützt werden", ergänzte Armin Schauf vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe. Dieses Ziel verfolgt auch "Ankommen in Lippe": In der noch jungen die Initiative engagieren sich zahlreiche Vereine, Verbände und Institutionen – darunter Lippische Landeskirche, die Wohlfahrtsverbände und Kreissportbund –, um den "Neulippern" die Teilhabe an Bildung, Arbeit und Gemeinschaft zu ermöglichen. Wer Fragen zur Flüchtlingshilfe in Horn-Bad Meinberg hat, aktiv helfen oder mit Spenden unterstützen möchte, kann sich unter der Telefonnummer (05234)-2010 oder per E-Mail an "Fluechtlingshilfe@horn-badmeinberg.de" an den städtischen Sozialdienst wenden.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an