Wörderfeld (afk). Es gab eine schlechte und eine gute Nachricht am Samstagabend vom Schießstand im Hünkergrund. Zuerst die schlechte: Der Schützenverein Wörderfeld als Ausrichter des Lügder Stadtschützenfestes hat beim Königsschießen keinen neuen König gefunden. Damit fiele das Schützenfest 2016 aus. Damit es dann doch am 21. August dort stattfinden kann und die anderen Vereine der Großgemeinde nicht darunter leiden müssen, erklärte sich der amtierende König Andreas Hasse nach Rücksprache mit seiner Königin Gudrun Günnewich, seinem Hofstaat mit dem 1. Ritter Bernd Schmidtmeyer, und Heiner Günnewich als 2. Ritter sowie Jungschützenmeister Florian Zurmühlen bereit, lediglich am Sonntag an der Spitze der Wörderfelder Schützen zu marschieren. "Mehr nicht", machte Hasse nachdrücklich klar.
Eigentlich waren die Verantwortlichen des Schützenvereins Wörderfeld ganz hoffnungsfroh gestimmt, denn beim Antreten am frühen Nachmittag fanden sich mit 30 Schützen mehr ein als in vielen Jahre zuvor, um unter der musikalischen Begleitung des Spielmannszuges Rischenau zum Schießstand in den Hünkergrund aufzubrechen. Die Spielleute unter der Leitung von Ralf Müller taten ihr Bestes, mit bekannten Melodien und Märschen für Stimmung rund um die idyllische Schießsportstätte im Wald zu sorgen. Aber diese musikalischen Anreize allein reichten offenbar nicht aus, um die Schützen dazu zu bewegen, um die Königswürde auf die Scheibe zu zielen. Während beim vorab veranstalteten Gruppenschießen noch großer Andrang herrschte und eifrig geschossen wurde, fand sich vom offiziellen Beginn des Königsschießens an dann kein Kandidat, der während der regulären Zeit bereit gewesen wäre, einen Schuss abzugeben. Und auch in der Verlängerung tat sich nichts mehr. Den Schlussstrich zog letztlich Hauptmann Manfred Bossemeyer, als er die Schützen vor dem Schießstand antreten ließ. Die versteinerten Mienen des Vorstands machten schon deutlich, was alle wussten: Es gibt keinen Schützenkönig 2016! Der gerade erst vor wenigen Wochen gewählte neue Vorsitzende Boris Keindlstorfer dürfte sich seinen ersten Amtsauftritt auch anders vorgestellt haben, als er den Mitgliedern offiziell mitteilte, dass das Schützenfest damit ausfallen werde. Aber der Vorstand hatte sich mit diesem Szenarium offensichtlich im Vorhinein schon beschäftigt und einen "Plan B" angedacht, den zu verkünden dem amtierenden König Andreas Hasse vorbehalten blieb, denn er allein mit seinem Hofstaat und dem Jungschützenkönig konnten die drohende Schmach einer Absage des Schützenfestes Wörderfeld und des am Sonntag integrierten Lügder Stadtschützenfestes abwenden. Mit drastischen Worten kommentierte er die fehlende Solidarität seiner Schützenbrüder zum Verein und erklärte den bisher einmaligen Fall, zumindest symbolisch seine Aufgabe als Majestät beim Stadtschützenfest wahrnehmen zu wollen, wenn der Vorstand das akzeptiere. Der signalisierte umgehend seine Zustimmung, so dass das Ereignis stattfinden kann. Das traditionell vom amtierenden König beim Königsschießen ausgegebene Fass Freibier aber ließ Hasse streichen. Wohl auch ein Zeichen dafür, wie tief die Verärgerung und der Frust an diesem Abend saßen. "Wir werden jetzt alles daran setzen, uns als würdige Gastgeber des Stadtschützenfestes zu erweisen und freuen uns darauf", so Carsten Ridder vom Vorstand des Schützenvereins.
